Antibiotika
Was sind Antibiotika:
Sie stellen eine äußerst wichtige Komponente der modernen Medizin
dar. Antibiotika sind natürliche Stoffwechselprodukte von Bakterien
und Pilzen. Sie werden gegen Bakterieninfektionen verwendet, die der Gesundheit
von Menschen, Tieren und Pflanzen schaden. Viele Infektionskrankheiten
wie einige Lungenentzündungen und Hirnhautentzündungen, Tuberkulose
und Gonorrhöe sind von Bakterien verursacht. Die Anwendung von Antibiotika
als Wachstumsförderer und zu Prophylaxezwecken (Vorbeugung gegen
Epidemien) kommt in der Tierzucht vor. Im Großteil der europäischen
Länder, Italien inbegriffen, ist die Anwendung von Antibiotika in
der Landwirtschaft verboten. Obwohl einige Antibiotika eine bestimmte
Wirkung gegen den Feuerbrand der Pflanzen aufweisen, gibt es Nebenwirkungen
bei ihrer Verbreitung im Ökosystem: Es kommt zum Auftreten von Bakterien,
die gegenüber diese Arzneimittel widerstandsfähig werden (Medikamentenresistenz).
Dies ist in den USA bereits geschehen: Die wiederholte Anwendung von Streptomycin-Sulfat
im Kampf gegen den Feuerbrand hat zur Vermehrung von Bakterienpopulationen
der Art Erwinia amylovora geführt, die jetzt nicht mehr mit diesem
Antibiotikum bekämpft werden können, weil sie eben "resistent"
geworden sind. Was aber im Zusammenhang mit der Anwendung von Antibiotika
zum Schutz der landwirtschaftlichen Kulturen besonders gefürchtet
ist, sind die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Substanzen auf den
Menschen.
Die Resistenz gegen Antibiotika könnte nämlich von den Bakterien,
die für die Pflanzen schädlich sind auf jene Bakterien übertragen
werden, die für die menschliche Gesundheit gefährlich sind.
Das bedeutet, dass eventuell kranke Menschen nicht mehr auf die Antibiotikatherapie
ansprechen und nicht geheilt werden können (siehe Paragraph über
Medikamentenresistenz).
Einige der am häufigsten verwendeten Antibiotika sind "die natürlichen
Antibiotika", die gänzlich von einem Bakterium oder Pilz synthetisiert
werden. Die "halbsynthetischen Antibiotika" sind natürliche
Antibiotika, die im Labor chemisch modifiziert wurden. Zwei klassische
Beispiele dieser Klasse sind Ampicillin und Carbenicillin. Bei den Antibiotika
wird unterschieden zwischen Bakteriziden, die die Bakterien abtöten
und deren Wirkung von der Wirkprinzipkonzentration abhängt, und den
Bakteriostatika, die das Wachstum der Bakterien hemmen, ohne sie sofort
abzutöten. Die Bakteriostatika werden bei leichten Infektionen verwendet.
Wirkungsmechanismus der Antibiotika:
Die Antibiotika können die Bakterien abtöten und ihre Vermehrung
verhindern, durch das Eintreten in die Mikroorganismen und die Störung
der Synthese jener Substanzen, die für das Leben und die Vermehrung
der Bakterien notwendig sind. Einige Antibiotika wirken nur gegen spezifische
bakterielle Erregerspezies (Antibiotika mit engem Wirkungsspektrum), andere
gegen mehrere Spezies (Antibiotika mit breitem Wirkungsspektrum). Sie
sind imstande, die wichtigsten Biostrukturen der Bakterien, aber nicht
der Zellen höherer Organismen wie des Menschen zu schädigen.
Die Antibiotika können nicht gegen alle Infektionen wirken.
Beispiele von mit Antibiotika behandelbaren Bakterieninfektionen sind:
Mandelentzündung, Ohrenentzündungen, einige Stirnhöhlentzündungen,
Harnblasen- und Lungeninfektionen. Sie haben keine Wirkung gegen die Infektionen,
die von Viren verursacht werden, z. B. gegen einige Arten von Erkältungen,
Halsweh sowie gegen Pilzinfektionen (z.B. Candidosen).
Das Erkennen der Krankheitssymptome und die Ergebnisse der eventuellen
Laboranalysen erlauben dem Arzt, das richtige Antibiotikum zu verschreiben.
Die Antibiotika werden bei Virusinfektion nicht eingesetzt, weil sie unwirksam
sind und Nebenwirkungen verursachen. Dennoch werden manchmal Antibiotika
präventiv bei Virusinfektionen verschrieben, um das zusätzliche
Auftreten von Bakterieninfektionen zu vermeiden.
Nebenwirkungen:
Die Antibiotika können Übelkeit, Durchfall und Magenschmerzen
verursachen. Bei einigen Personen kann eine allergische Reaktion auftreten,
in Form eines Ausschlages oder in Form von Prickeln, und in schweren Fällen
kann es zu Atemschwierigkeiten kommen. Die Antibiotika töten auch
die "nützlichen" Bakterien ab, die zur normalen Darmflora
gehören und für die Funktionalität des menschlichen Körpers
notwendig sind. Deswegen ist es wichtig, dass nach einer Behandlung mit
Antibiotika die Bakterienflora erneuert wird, um die Schwächung der
Darmschleimhaut zu verhindern.
Das Problem der Medikamentenresistenz:
Die Antibiotika haben einen großen Beitrag zur Verbesserung der
Lebensqualität der Menschen geleistet. Nachdem das Penizillin vor
über 50 Jahren entdeckt wurde, wurden hunderte von Antibiotika hergestellt,
um die Bakterieninfektionen zu behandeln.
Die Anwendung dieser Wirkstoffe ermöglicht es, viele tödliche
Krankheiten zu überwinden, und erhöht die Überlebenschance
bei Menschen und dann bei Tiere und Pflanzen. Die Fähigkeit der Antibiotika,
Infektionskrankheiten zu heilen, die vorher als unheilbar galten, hat
dazu geführt, dass Antibiotika als "Wundermedikamente"
angesehen wurden, mit Wirkungsfähigkeiten, die mit ihren tatsächlichen
Eigenschaften oftmals wenig zu tun haben. Bedauerlicherweise hat die allgemein
verbreitete Anwendung von Antibiotika zu negativen Auswirkungen geführt.
In den meisten europäischen Ländern zählen Antibiotika
zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten, gefolgt von den Schmerzmitteln.
Der in den vergangen Jahrzehnten erfolgte, unzweckmäßige Gebrauch
der Antibiotika in der Medizin, in der Veterinärmedizin und in der
Landwirtschaft hat zu einer schnellen Vermehrung der medikamentresistenten
Mikroorganismen geführt. Die Bakterien lernen die Antibiotika zu
erkennen und sich vor ihnen zu schützen. Dadurch verlieren die Antibiotika
ihre Fähigkeit, Bakterienkrankheiten zu heilen.

Die Einnahme anderer Medikamente, soweit diese noch wirkungsvoll sind,
ist notwendig, um die Infektion zu bekämpfen.
Bakterien, die eine solche Resistenz entwickeln, werden als "Supermikroben"
bezeichnet. Die Supermikroben können diese "Überlebensmechanismen"
anderen Bakterien übertragen und somit das Wachstum neuer medikamentresistenter
Organismen fördern.
Diese Resistenz entwickelt sich nach einer langfristigen Behandlung mit
einem oder mehreren Antibiotika, welche eine Vielzahl an antibiotikasensiblen
Bakterienarten abtöten.
Um dieses Resistenzphänomen zu vermeiden, stellen die pharmazeutischen
Industrien immer weitere Antibiotika her, die andere Eigenschaften haben,
als die der wirkungslos gewordenen Substanzen.
Es muss weitergeforscht werden, da die Resistenz gegen die neu hergestellten
Antibiotika häufig auftreten kann. Es handelt sich also um einen
kontinuierlichen Prozess, der von der pharmazeutischen Industrie solange
weitergeführt werden muss, bis wirksamere Techniken zur Bekämpfung
der Medikamentenresistenz gefunden werden.
Ratschläge für eine richtige Anwendung:
1. Die Dosierung ist wichtig: ist die Dosierung der Antibiotika nicht
korrekt, dann werden sie keine angemessene Wirkung gegen die Infektionen
ausüben; außerdem werden die Bakterien dann eher zur Entwicklung
einer Antibiotikaresistenz neigen. Das heißt, dass die Bakterien
sich weiter vermehren und Strategien entwickeln, um die Wirkung der Antibiotika
zu verhindern.
Es ist daher wichtig, sich an korrekt an die vom Arzt verschriebene Dosierung
zu halten.
2. Die Antibiotika müssen während des ganzen vorgesehenen Zeitraums
eingenommen werden: Es geschieht oft, dass die Leute die ´Einnahme
eines Antibiotikums unterbrechen, sobald sie sich
besser fühlen und meinen, dass sie die Krankheit überwunden
haben. Aber, auch wenn die Symptome verschwunden sind, können
einige wenige Bakterien noch überlebt haben, und sofern die Behandlung
mit Antibiotika unterbrochen wurde, könnte die Infektion wieder auftreten.
Die vorgeschriebene Behandlung nicht abzuschließen, könnte
auch die Resistenzbildung der Bakterien unterstützen.
3. Die Antibiotika dürfen nur dann eingenommen werden, wenn sie von
einem Arzt verschrieben worden sind: Niemals dürfen die für
eine andere Person oder für eine frühere Infektionsbehandlung
verschriebenen Antibiotika eingenommen werden.
Verschiedene Infektionen werden mit unterschiedlichen Antibiotika behandelt
und nur der Arzt ist dafür zuständig festzustellen, ob es sich
um eine Infektion handelt und welches das wirksamste und sicherste Antibiotikum
für die Behandlung der Infektion ist.
Vorbeugung ist besser als Krankheitsbehandlung:
1. Impfungen zur Unterstützung der Immunantwort:
Sie dienen zur Vorbeugung gegen bestimmten Virus- und Bakterieninfektionen.
Mit der Impfung werden auch die Komplikationen der Virusinfektionen vorgebeugt,
die von Bakterien verursacht werden, so dass keine Antibiotika angewandt
werden müssen.
2. Für eine gesunde und ausgeglichene Ernährung sorgen:
Zur Stärkung der Verteidigungsmechanismen des Körpers dient
auch eine korrekte Ernährung, die einen entsprechenden Verzehr von
Obst und Gemüse vorsieht. Besonders empfehlenswert ist der Verzehr
von Nahrungsmitteln, die reich an Antioxidanten sind, wie
das Vitamin C (Zitrusfrüchte, Tomaten, Erdbeeren, Waldfrüchte,
rote Paprikaschoten, Blumenkohl, Brokkoli) und das Vitamin A (Lebertran,
Leber, Fettmilch, Eier, Karotten, Melonen, Aprikosen, Spinat, Kürbis,
Kaki), welche den weißen Blutkörperchen helfen, und die Produktion
der Antikörper unterstützen. Auch Zink, Selen und Kupfer stärken
das Immunsystem. Sie befinden sich in Milch und Meeresfrüchten (Zink),
im Fisch, im Fleisch und im Getreide (Selen), in den Nüssen, in den
Hülsenfrüchten und im Hühnerfleisch (Kupfer).
3. Sich um die eigene Hygiene kümmern:
Der Körper muss sauber sein, ansonsten kann die Haut ihre Funktion
als Schutzschranke nicht mehr ausüben und wird zum idealen Lebensort
für unsere mikroskopischen Feinde. Waschen Sie sich häufig die
Hände, die immer wieder verschmutze Gegenstände und Substanzen
berühren. Waschen Sie sich die Hände besonders vor dem Essen,
um zu vermeiden, dass Viren und Bakterien das Verdauungssystem und von
hier aus die anderen Organe des Körpers erreichen.
Inhalte: Dr. Giulia Morosetti, Dr. Nadia Colangelo
Amt für Hygiene und öffentliche Gesundheit