Biologische Landwirtschaft: Zukunftsträchtige Alternative im Südtiroler Apfelanbau
Zunehmend auftretende Allergien, die jüngsten Lebensmittelskandale
und das allgemein gesteigerte Gesundheitsbewusstsein haben die Nachfrage
an Bioobst in den letzten Jahren stark steigen lassen. Obwohl die Umstellung
der Südtiroler Betriebe schwieriger ist als in Ländern mit extensiv betriebener
Flächennutzung, arbeitete im Jahre 2001 bereits jeder hundertste Südtiroler
Anbauer nach biologischen Grundsätzen. Heute werden allein im Apfelbau
über 20.000 Tonnen Öko-Ware erzeugt - mit vielversprechenden Marktchancen.
In punkto Öko-Landbau sprechen Experten in Deutschland längst vom "Ende
der Nische". Dass Bio keine kurzfristige Modeerscheinung ist, beweisen
die seit den 70-er Jahren ständig steigenden Entwicklungszahlen und das
unverändert hohe Ansehen, das Öko-Lebensmittel bei den Verbrauchern genießen.
Auch den typischen Bio-Käufer gibt es nicht mehr. Die Konsumentenschicht
reicht von den ganzheitlich Überzeugten über gesundheitsorientierte Senioren
bis hin zu jungen Unentschiedenen - die Marktchancen insgesamt erweisen
sich als hoch.
Auch in Südtirol ist der biologische Anbau auf dem Weg, die ihm lange
Zeit zugewiesene Nische zu verlassen - die jüngsten, öffentlich geführten
Diskussionen über Bioprodukte in Kindergärten und Schulmensen sind wohl
der beste Beweis dafür. Trotz der Tatsache, dass Obst und Früchte heute
noch zu den anspruchsvollsten Erzeugnissen in der Öko-Landwirtschaft gehören,
werden etwa 700 Hektar - knapp 4% der gesamten Südtiroler Obstbauflächen
- erfolgreich biologisch bewirtschaftet. Etwa 25.000 Tonnen Bio-Äpfel
werden jährlich auf dem Inlandsmarkt und in über 10 europäischen Ländern
verkauft. Bio Südtirol, eine Mitgliedsgenossenschaft des Verbandes der
Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) vermarktet ausschließlich Bioäpfel
aller im Lande angebauten Sorten und zählt somit zu einer der größten
Verteilerstrukturen in Europa.
Ziel der Südtiroler Obst-Biobauern ist es, gesunde Nahrungsmittel
im Einklang mit der Natur zu produzieren. Eine Reihe von Pflege-
und Bewirtschaftungstechniken sichert die Erhaltung eines möglichst geschlossenen
Nährstoffkreislaufes. Zum Schutz der Obstbäume etwa werden statt chemisch-synthetischer
Pestizide ausschließlich in der Natur vorkommende Wirkstoffe und Mikroorganismen
eingesetzt, die Verwendung von organisch-biologischen Wirtschaftsdüngern
steigert die Bodenfruchtbarkeit und fördert Bodenleben und -struktur.
Die Unkrautregulierung erfolgt rein mechanisch und kommt ohne Herbizide
aus. Insgesamt versucht diese Art des Anbaues, das ökologische Gleichgewicht
in höchstem Maße auszunutzen. Strengstens abgelehnt wird daher auch die
gentechnische Entwicklung - wobei abzuwarten ist, ob sich der Wunsch nach
gentechnikfreiem Obst nicht künftig in einem Absatzplus im Segment Bio-Lebensmittel
niederschlagen wird.
In Südtirol begann der Bio-Anbau zu Beginn der 70-er Jahre, als einzelne
Bauern ihre Höfe vom konventionellen auf den biologischen Anbau umstellten.
Der Boom ließ knapp zwei Jahrzehnte auf sich warten. Im Jahr 1991 verabschiedete
die Europäische Union die EU-Richtlinie 2092/91 für den Bio-Anbau, mit
der die Mindestanforderungen für Ökoproduktion, Aufbereitung und Import
sowie die Etikettierungs- und Kontrollverfahren geregelt wurden. Es folgte
die Gründung verschiedener Verbände und Vermarktungsstrukturen, die den
Landwirt bei Umstellung und Vertrieb unterstützten. Der Südtiroler Beratungsring
etwa übernahm bereits 2001 die Beratung von Biobetrieben. 1994 wurde am
Versuchszentrum Laimburg der Sachbereich "Biologischer Anbau" eingerichtet,
und der enge Kontakt zu Fachberatern und Versuchsstationen verbesserte
zunehmend auch die Produktionstechniken, was sich vor allem wirtschaftlich
positiv auswirkte.
Für den Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) ist die Bioschiene
ein weiteres Standbein auf dem Markt - vor allem hinsichtlich der Konkurrenz,
die aus den neuen EU-Ländern zu erwarten ist. Bio stellt eine gute Alternative
für die Zukunft dar und eine Möglichkeit, das bisher bereits hohe Qualitätssortiment
noch weiter auszubauen.
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V.O.G.
Hauptstr. 1A
39018 Terlan
Tel. 0471 25 67 00
www.vog.it |