Zukunftsweisende Energiepolitik Südtirols
Oberstes Prinzip: Versorgungssicherheit garantieren und fossile Energieträger zunehmend ersetzen
Der Energieverbrauch steigt weltweit rapide an. Südtirol setzt indes alles daran, um in Sachen Energie Unabhängigkeit und Sicherheit zu garantieren.
Mittlerweile kommen rund 45% der in Südtirol produzierten Energie aus erneuerbaren Energieträgern, vornehmlich Wasserkraft, aber auch Biomasse, Biogas, Solarenergie, Geothermie usw. 55 Prozent wird derzeit noch aus fossilen Energieträgern (Erdöl, Erdgas) gewonnen. "Unser Ziel in Südtirol ist, die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen nach und nach zu reduzieren und durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen", erklärt Landesrat Michl Laimer. Das Ziel: Für Südtirol Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit im Energiebereich garantieren. Gleichermaßen wichtig sei es, Energie wo immer möglich einzusparen und die Energieeffizienz, etwa für Maschinen und Elektrogeräte, deutlich zu verbessern.
An übergeordneter Stelle steht laut Landesrat Michl Laimer aber der Umweltfaktor, besonders auch im Hinblick auf die Wasserkraftwerke. Rund 29 Prozent der in Südtirol produzierten Energie ist "grüner Strom", der ausschließlich aus Wasserkraft gewonnen wird. "Wasserkraft ist nicht nur eine enorme Ressource für erneuerbare Energie, sondern auch ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, der dem gesamten Wirtschaftsraum Südtirol zugute kommt", so Landesrat Laimer. "Zum einen geht es darum, die Wertschöpfung im Lande zu behalten, zum anderen wollen wir gewährleisten, dass bei allen neuen Projekten die Umweltauflagen zu 100 Prozent respektiert werden."
Der Ausbau der Alternativenergie ist also oberstes Gebot für die Südtiroler Landesregierung. In diesem Kontext nehmen die Fernheizwerke eine besondere Bedeutung ein, wenn man von nachwachsenden Energieformen spricht. Biomasse als Brennstoff hat mehrere Vorteile. Zum einen als nachwachsender Rohstoff die lokale Verfügbarkeit, sowie kurze Transportwege und damit die Stärkung der heimischen Wirtschaft. Zum anderen ergibt sich eine komfortable Feuerung in automatisch beschickten Anlagen. Und schließlich ist Biomasse in der Tat umweltverträglich, da CO2-neutral und vom Preis her günstig im Vergleich zu herkömmlichen, fossilen Energieträgern. Die Wertschöpfung bleibt zu 100% im Land und als Zusatznutzen ergibt sich ein interessanter Nebenerwerb für die Landwirtschaft.
Dabei kommt es nicht so sehr auf die Größe der Anlage an, sondern auf den vor Ort günstigsten Energieträger oder eine Kombination aus mehreren, wie Biomasse, Solarenergie, Methangas usw. Der große Unterschied zur traditionellen Energieerzeugung ist zum einen auf der ökologischen Seite zu suchen, sprich weniger CO2-Ausstoß neben einem hohen Wirkungsgrad, sowie auf der wirtschaftlichen Seite, da dem Abnehmer bedeutend weniger Kosten entstehen.
Südtirol spielt hier eine Vorreiterrolle, nicht zuletzt deshalb, da durch den Anschluss von Innichen an das bestehende Werk in Toblach und das Fernheizwerk in Bruneck gleich zwei der größten Fernheizkraftwerk in Europa entstanden sind. Sämtliche Anlagen in Südtirol - mittlerweile sind es rund 34 mit einer Gesamtleistung von 363.000 MWh - zeigen, dass Fernwärme äußerst interessant sein kann, sowohl aus energetischer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht. Das Land plant den konstanten Ausbau des Energieträgers Biomasse. Derzeit entspricht die Energieerzeugung aus nachwachsender Biomasse rund 17%, Tendenz steigend.
In der Nähe von bestehenden Gasleitungen kann der Bau von kombinierte Hackschnitzel-Methangas-Anlagen erstrebenswert sein, so wie es die Gemeinde Bruneck mit ihrem 75 MegaWatt Fernheizwerk vorgemacht hat.
Die so genannte Alternativenergie wird in Südtirol bereits sehr ernst genommen, den Rest übernimmt der zunehmende Druck auf den Geldbeutel. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Südtirol bereits heute Vorreiter bei der Nutzung erneuerbarer Energien ist. So hat unser Land auch im Bereich Sonnenenergie mit einer Kollektorfläche von 0,33 m² pro Einwohner einen der höchsten Durchschnittswerte europaweit. Im nationalen Vergleich wurde auf den Dächern Südtirols ein Drittel der gesamten Sonnenkollektorfläche Italiens installiert, dank vor allem einer weitsichtigen Förderungspolitik in den letzten Jahrzehnten.
Im Gebäudebereich gibt es sehr viel zu verbessern, was den Energieverbracuh anbelangt. Die Dämmung ist hier das Um und Auf, die Heizmethode ergibt sich dann von selbst. Deshalb ist es - und war es schon immer - ein Tätigkeitsschwerpunkt des Landesumweltressorts, die optimale Wärmedämmung der Gebäude zu forcieren. Bei Neubauten sind wir mit unserer Klimahaus-Initiative bereits bei einem sehr guten Punkt angelangt, wenn man bedenkt, dass seit Jänner 2005 per Landesgesetz der Mindestenergiestandard eines KlimaHauses C in Südtirol zwingend vorgeschrieben ist. Was wir jetzt noch angehen müssen, ist die energetische Sanierung bei bestehenden Gebäuden in unserem Land, welche einen Großteil des gesamten Hausbestandes ausmachen und teilweise bis zum Zehnfachen der Energie eines Klimahauses verbrauchen. Deshalb haben wir die energieeffiziente Altbausanierung zu einem Schwerpunktthema unserer Arbeit im Jahr 2006 gemacht, das wir heuer mit Vehemenz angehen wollen.
Aus dieser Vorbildfunktion für andere Regionen Europas wollen wir den größtmöglichen ökonomischen Nutzen zu ziehen. Das heißt anders ausgedrückt, Südtirol über die Grenzen hinaus zu einem Musterland in Sachen nachhaltiger Energieerzeugung und technologischem Know how zu machen und so viele Synergien wie möglich zu erzeugen, indem wir die lokale Wertschöpfung steigern und neue, qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.
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