Gebäudesanierung Expost zu einem neuen Landhaus - In Bozen im Passivhausstandard
Ziel der Landesverwaltung ist es, so Landesrat Dr. Florian Mussner, auch
im Bereich der öffentlichen Strukturen sparsam umzugehen. Die Gebäudesanierung
des Ex-Postgebäudes ist das beste Beispiel dazu. Durch die Anwendung von
neuen Energietechniken will man erreichen, dass die Betriebs- und Instandhaltungskosten
gering gehalten werden. Es geht um eine Investition im Sinne der Ökologie
und Ökonomie unserer Zukunft.
Das "Ex-Post"-Gebäude neben dem Bozner Bahnhof soll ab 2006 als Bürogebäude
für die Südtiroler Landesverwaltung (Autonome Provinz Bozen) genutzt werden.
Die Sanierung und Aufstockung des 20.000 Kubikmeter großen Gebäudes wurde
als "KlimaHaus A" in Passiv-Haus-Standard geplant.
Es handelt sich hierbei um das erste öffentliche Passivhaus Italiens mit
einem umgerechneten Heizölverbrauch von ca. 1 Liter (12 kWh pro Quadratmeter
und Jahr). In Südtirol vorgeschrieben ist das 7-Liter-Haus ("KlimaHaus C")
für öffentliche Gebäude.
Durch die hohe Energieeinsparung werden die Betriebs- und Folgekosten für
Heizung und Kühlung eines Gebäudes um ca. 90 Prozent (bei nur vier Prozent
Mehrkosten in Bezug auf das vorgeschriebene KlimaHaus C) minimiert. Hervorgehoben
wird auch die Vorbildfunktion, welche hier die Landesverwaltung einnimmt.
BESTAND:
Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem Jahre 1954 und hat 3 Regelgeschosse
mit einem darunterliegenden Kellergeschoß, welche je eine Geschoßfl äche
von 798m2 aufweisen. Besonders positiv auffallend ist die klare statische
Struktur des Gebäudes, welche vor allem durch den in der Längsrichtung mittig
liegenden Unterzug gekennzeichnet ist. Dieser liegt auf einer regelmäßigen
Stützenreihe. (Die Decken dieser Regelgeschosse weisen eine hohe Nutzlast
von ca. 800kg/m2 auf). Im Projekt wird das Aufzeigen dieser besonderen statischen
Struktur des Gebäudes eines der wichtigsten gestalterischen Maßnahmen sein
(sanfte Architektursprache!).
1975 wurde auf das letzte Regelgeschoß ein neu- es z.T. von der Außenmauer
zurückspringendes Dachgeschoß aufgesetzt, welches nicht mehr die statische
Regelmäßigkeit der darunterliegenden Geschosse aufweist, und dadurch auch
eine wesentlich geringere Nutzlast (450 kg/m2).
PROJEKT:
Die zentrale über alle Geschosse offene Erschließungszone wird ebenso als
klar definierter Bereich gekennzeichnet und dient auch als Fluchtbereich
im Sinne des Brandschutzes. Hier wird im bestehenden Liftschacht (heute
zwei Materiallifte) ein neuer Lift untergebracht. Daneben befindet sich
das Behinderten-WC und ein kleiner Abstellraum. Gegenüber dem Lift sind
die Toilettenanlagen mit etwas zurückversetztem Eingang positioniert. Die
eigentliche Bürotrakte links und rechts des Erschließungsbereiches werden
von bestehenden Trennwänden befreit.
Dadurch entstehen großzügige Räumlichkeiten mit einer Höhe von durchschnittlich
3,5m. Um diese Großzügigkeit später bei den Büroeinteilungen nicht wieder
zu verlieren, werden im Projekt die neuen Trennwände zwischen Loungebereich
und Büros bis in eine Höhe von 2,50m gemauert und die restliche Höhe darüber
mit Oberlichten aus einfacher Akkustikglas-Fixverglasung ausgeführt. So
wird auch der zentrale Loungebereich über die Bürozimmer hinweg lichtdurchflutet
und angenehm nutzbar.

Das Bestandsgebäude zeichnet sich durch ein kompaktes Volumen mit regelmäßiger
Lochfassade aus. Dieses Prinzip wird auch für die Aufstockung aufgenommen
und weitergeführt.
Die vorhandenen Fensteröffnugen werden dem Fassadenleibungskonzept entsprechend
nach oben bis zur Unterkante des Stahlbetonunterzugs geöffnet und seitlich
entweder belassen oder angepasst. Dieser Bereich der Leibungen wird außen
durch einen werkseitig vorbereiteten EPS-Dämmkeil ausgekleidet.
Die thermischen Untersuchungen der schrägen Fensterlaibungen wurden in Zusammenarbeit
mit Herrn Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus-Institut in Darmstadt durchgeführt,
der die Konstruktion für sinnvoll befunden hat und zu dem angestrebten Laibungskonzept
ermutigt.
Die dahinterliegenden Büroräume werden entsprechend den notwendigen Nutzflächen
eingeteilt. Ausgenommen von diesem Konzept werden die Kellerfenster, wo
die Fenster auf die bestehenden Fensteröffnungen in der Dämmebene aufmontiert
werden.
Das bestehende Dachgeschoss wird, bis auf den angebauten Fluchttreppenturm,
vollständig abgerissen. Im statischen System der unteren Bestandsgeschosse
entstehen ein neues 3. Obergeschoss und ein zusätzliches 4. Obergeschoss.
Die Einteilung der Büros in den neuen Obergeschossen wird auf gleiche Art
wie in den Bestandsgeschossen organisiert. Zur Erschliessung dieser Geschosse
wird im Haupttreppenhaus die Stiege vom 2. bis in das 4. Obergeschoss erweitert.
Im Fluchttreppenturm muss lediglich die Treppe vom 3. ins 4. Obergeschoss
sowie die Decke über dem 3. Obergeschoss erneuert werden. Die Verglasungen
sollen abgerissen werden und wie in der Aufstockung durch gedämmtes Mauerwerk
ersetzt werden. Um den Treppenturm herum soll eine Metallgitterstruktur
aufgebracht werden. Im Bereich der Fenster wird das Blechelement senkrecht
aus der Fassade heraus geklappt und angeschweißt.
KONSTRUKTION UND MATERIALIEN:
Mauerwerk:
Alle neuen Erweiterungen bzw. Abtrennungen werden in klassischer verputzter
Ziegelbauweise durchgeführt. Die Flurtrennwände sollen in einer Dicke von
20cm ausgeführt werden und ab einer Höhe von 2,50m mit Glasoberlichtern
in einer Holzrahmenkonstruktion. Die Bürotrennwände werden in einem 15cm
starken Akkustikziegel ausgeführt. Die Flurtrennwände der äußeren Stirnseiten
der Loungebereiche werden durchgehend verglast, um eine optimale natürliche
Belichtung der Flure zu ermöglichen. Innen liegend sollen hier auf einer
Höhe von 250cm nach unten Raffstores als Sichtschutz zum Einsatz kommen.
Dämmmantel und Leibungskonzept:
Es wird ein EPS-Mantel (Lambda=0,035W/m2 K) aus 35cm starken Platten auf
die bestehende Putzoberfläche des Gebäudes fachgerecht aufgeklebt und verdübelt.
Dieser wird verspachtelt und normgerecht verputzt. Der Anteil des flächigen
Dämmmantels beträgt auf die gesamt zu dämmende Fläche ca.70%.
Die Fensterleibungen werden in der Dämmungsebene einem individuellen Konzept
entsprechend variabel geplant. Mit der ohnehin vorhandenen Dämmung kann
somit sehr preisgünstig eine plastische Gesamtwirkung des Bauobjektes erreicht
werden.
Während das Gebäude durch seine blockartige Form nach außen eine Einheit
darstellt, transportiert das Spiel der Fensteröffnungen eine individuelle
Abbildung, der im Gebäude arbeitenden Personen.
Funktionell entsteht durch die vertikale Ausbildung schräger Fensterlaibungen
die Möglichkeit, einer differenzierten lichttechnischen Bearbeitung der
Geschosse.
So wird der Einfall des Tageslichts in den unteren Geschossen durch die
Laibungsöffnung nach oben erhöht.
In den Obergeschossen hingegen bleibt die obere Laibung geschlossen, um
eine größtmögliche Verschattung des Fensters zu erreichen.
Die Dämmungen werden gerade d.h. rechtwinkelig zur Fassadenfläche (Tiefe
= 65cm, Breite = 0cm) oder unterschiedlich stark abgeschrägt ausgebildet
werden.
Dabei bleibt die Tiefe immer unverändert 65cm. Die unterschiedlichen Breiten
ergeben sich aus einem Vielfachen von 60cm - auch der Achsenabstand der
Stahlbetonsäulen ist ein Vielfaches von 60cm, nämlich 420cm.
Die Leibungen können werkseitig als EPSDämmkeile vorgefertigt werden. Dieser
Herstellungsprozess ist kostengünstig, da alle EPSPlatten aus großen Blöcken
mit Heißdraht herausgeschnitten werden. Die jeweiligen Dämmkeile werden
mit der flächigen Dammung mit Netzen verspachtelt und mit 2cm Kratzputz
verputzt.Wie aus graphischen Ergebnissen dieser Untersuchung zu erkennen
ist, besteht trotz der schrägen Fensterlaibung die Möglichkeit den Fensterstock
zu überdämmen, sodass sich kein Tauwasser bilden kann.
Bis zum Spritzwasserbereich des Erdgeschosses (Höhe 1m) und im darunter
liegenden 60cm tiefen Aussenschacht des Kellergeschosses kommt eine EPS-P
Perimeterdämmung zum Einsatz. Die Fensterlaibungen zum Luftschacht um den
Keller werden alle gerade ausgebildet.
Fenster:
Die Beschaffenheit der Verglasungselemente entspricht den Kriterien des
Passivhaus-Standards. Die Fenster müssen einen Gesamt-U-Wert von 0,85 W/m2K
aufweisen.
Gründach:
Das Dach über dem 4. Obergeschoss wird in Stahlbeton geplant. Für die Entwässerung
wird auf der Oberseite ein Gefälle vorgesehen. Die Dämmung wird mit zwei
14cm starken PUHartschaumplatten ausgeführt und anschließend ein Gründachaufbau
für eine extensive Begrünung aufgebracht. Das Vordach wird von seiner Blechhülle
befreit. Die zurückbleibende Betonscheibe wird ebenfalls gedämmt und auf
der Oberseite mit einer dunklen Verblechung (verzinktes Stahlblech dunkelgrau)
versehen.
ENERGIEKONZEPT:
Das Gebäude wird mit dem Energie-Standard "Passivhausbauweise" errichtet.
Somit beträgt die Energiekennzahl unter 15 kWh/m2 pro Jahr und ermöglicht
die Nachheizung des Gebäudes mit der ohnehin vorhandenen Lüftungsanlage.
In dieser Hinsicht wurde wärmebrückenfrei geplant sowie die Luftdichtheit
entsprechend optimiert.
Der Energiestandard bewirkt eine Reduktion der Leistung und des Verbrauchs
um den Faktor 10, was bedeutet, dass im Vergleich zum heutigem Bestand,
eine 90%ige Energieeinsparung möglich ist.
Informationen:
Ressort für Bauten, ladinische Schule und Kultur