Flussraummanagement in Südtirol
Alpine Flussräume erfüllen zahlreiche Funktionen und müssen vielfältigen Ansprüchen bzw. Nutzungen gerecht werden. Die wichtigsten sind dabei der Hochwasserschutz für Siedlungs- und Wirtschaftsgebiete, der Hochwasserrückhalt, der Naturschutz und die Grundwassersicherung. Vor allem Land- und Forstwirtschaft sowie die Energiewirtschaft stellen Nutzungsansprüche an den Flussraum, der jedoch auch als Erholungszone eine wichtige Rolle spielt.
Immer wieder ist der Alpenraum von Naturkatastrophen wie Hochwasserereignissen oder Muren betroffen. Neben – oder in dieser Gefahrensituation entwickeln sich Siedlungen,
Landwirtschaft, Industrie, Tourismus, Handel, Infrastrukturen, …immer weiter. Mit der Veränderung des wirtschaftlichen Umfeldes verändert sich auch das Schadenspotential; dieses steigt stetig an. Auf der anderen Seite steigt aber auch das Schutzbedürfnis der Bevölkerung. Die so entstehenden Schutzdefizite können mit einer interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen aufgezeigt, analysiert und dann gezielt durch Lösungen/Maßnahmen beseitigt werden, die von den Verantwortlichen der unterschiedlichen Fachgebiete im Flussraum akzeptiert und mitgetragen werden.
Um diese Funktionen und Nutzungen bestmöglich in Einklang zu bringen, bedarf es eines „Flussraummanagements“, das die schutzwasserwirtschaftlichen, raumplanerischen und ökologischen Ansprüche miteinander verbindet. Dieses im benachbarten Ausland inzwischen bewährte Instrument des Flussraummanagements trägt auch dem Aspekt der Nachhaltigkeit Rechnung - und zwar für alle Betroffenen. Flussraummanagement beschäftigt sich mit der Planung und Umsetzung von Maßnahmen, die für eine nachhaltige Entwicklung des Flussraumes notwendig sind. Dies alles ist im Interesse von mehr Hochwassersicherheit, mehr nutzbarem Raum, mehr Natur und mehr Erholung.
Flussraummanagementpläne umfassen den Prozess von der Ist-Zustandsanalyse des Flussraumes (Naturgefahren, Raumnutzung, Wasserwirtschaft, Ökologie,…), die Synthese dieser Analysen bis zur Planung von nachhaltigen Maßnahmen.
Die Maßnahmen entsprechen dem Prinzip der Nachhaltigkeit, d.h. sie sind so zu projektieren, dass sie ökologisch tragfähig, technisch machbar, ökonomisch sinnvoll und sozial akzeptabel sind. Der Flussgebietsplan ist als fächerübergreifender, integraler Plan eine wichtige Basis für die Vorbeugung hydrogeologischer Risiken und zur Erreichung eines guten Gewässerzustandes im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie für das Untersuchungsgebiet.
Die Einbeziehung und Bewusstseinsbildung der Öffentlichkeit sind ein wesentlicher Bestandteil des Flussraummanagements. Damit alle Verantwortlichen der unterschiedlichen Fachgebiete im Gebiet mit dem Plan und der Umsetzung zufrieden sind, wird das Flussraummanagement folgendermaßen gestaltet:
• Interdisziplinär (Bereiche Ökologie, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Zivilschutz, Gemeinden, Land, Verbände)
• Flussraumorientiert (Planung und Umsetzung von den Akteuren des Gebietes getragen)
• Umsetzungsorientiert (es werden Maßnahmen, Umsetzung und Überprüfung angestrebt)
• Prozessorientiert (anhand vergangener Erfahrungen und Umsetzungsbeispielen)
• Partizipativ (alle Akteure, auch Bevölkerung sind involviert)
Daher erfolgt der gesamte Prozess von der Analyse, Planung und Umsetzung stets unter Beteiligung und Information von Fachstellen, Interessensvertretern und Bürgerinnen.
In Südtirol hat die Abteilung Wasserschutzbauten der Autonomen Provinz Bozen mit dem Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr und dem Projekt „Flussraumagenda Oberer Eisack“ erste Erfahrungen zum Flussraummanagement gemacht und ist derzeit dabei, weitere Flussraummanagementpläne auszuarbeiten, z.B. im Oberen Vinschgau mit dem Projekt „Etsch-Dialog“ und dem Flussraummanagementplan Brixen.
Willigis Gallmetzer, Abteilung Wasserschutzbauten, Autonome Provinz Bozen - Südtirol