Weltgesundheitstag - Gesunde Umwelt - gesunde Kinder

Das
Assessorat für Gesundheitswesen der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol fördert
den Weltgesundheitstag. Der diesjährige Slogan lautet:
Geben wir dem
zukünftigen Leben einen Sinn. Geben wir den Kindern eine gesunde Umwelt.
Mit dem Weltgesundheitstag möchte das Amt für die Europäische Region der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell die Vorbereitungsarbeiten für
die IV. Ministerialtagung über die Umwelt für die Gesundheit (Budapest 2004)
in die Wege leiten, bei der es um die Zukunft unserer Kinder geht und darum,
welche Maßnahmen zur Erhaltung der zukünftigen Entwicklung unserer Gesellschaft
notwendig sind. Der Tag lädt dazu ein, über die Gesundheitsrisiken unserer
Kinder nachzudenken, die auf eine ungesunde Umwelt zurückzuführen sind.
Die Kinder sind besonders verletzlich, wenn sie in einer für ihre Gesundheit
riskanten Umwelt aufwachsen und oft sind sie durch ihr Verhalten noch größeren
Risiken ausgesetzt. Man schätzt, dass weltweit 40% der Krankheitsfälle bei
Kindern unter 5 Jahren auf Umweltursachen zurückzuführen sind. Zu diesen
Faktoren zählen auch Infektionskrankheiten und vor allem die Krankheitserreger,
die überall vorkommen, und die sich aufgrund von menschen- oder umweltbedingten
Einflüssen vermehren können. In geschädigten Umwelten vermehren sich Bakterien
und Parasiten und auf der Welt sind eine halbe Milliarde Kinder an Malaria,
Schistosoma, Dengue-Fieber und Cholera erkrankt. Auch in den sogenannten
industrialisierten Ländern treten weiterhin Krankheiten viralen, bakteriologischen
und parasitären Ursprungs auf, die weniger mit hygienischen Bedingungen,
sondern vielmehr mit Lebensgewohnheiten und menschlichen Aktivitäten zusammenhängen
und die Gesundheit der Kinder einem Risiko aussetzen. In Südtirol, so wie
im Rest der Länder der Europäischen Gemeinschaft, hängen die Hauptprobleme
mit den Straßenunfällen, den Lebensumfeldern, der städtischen Umweltverschmutzung,
dem Rauchen und dem Alkoholkonsum sowie mit einigen Infektionskrankheiten,
die durch Impfungen vorgebeugt werden können, zusammen. Besonders
Asthma
und Allergien stellen heute wichtige Ursachen von Atemwegserkrankungen dar.
Allergische Syndrome sind sehr verbreitet und im Zusammenhang mit den qualitativen
und quantitativen Veränderungen zahlreicher Umweltfaktoren, die in den letzten
Jahrzehnten aufgetreten sind, in kontinuierlichem Anstieg begriffen. Zur
Zeit scheint die Anzahl von allergenen Substanzen nämlich stark angestiegen,
wobei viele von diesen in der Natur nicht existieren (z.B. chemische Substanzen,
Lebensmittelzusätze, Kunstfasern); v.a. die Expositionshäufigkeit gegenüber
den verschiedenen Allergenen hat zugenommen (man denke dabei an den enormen
Medikamentenkonsum). Außerdem gibt es einen beachtlichen Anstieg von verschiedenen
Faktoren, die mit der Luftverschmutzung zusammenhängen und zum Auftreten
von allergischen Erscheinungsformen beitragen. Studien belegen, dass sich
die Anzahl von allergischen Erkrankungen gegenüber vorhergehenden Schätzungen
fast verdoppelt hat.
Die zunehmende Häufigkeit von Sensibilisierungen zeigt sich weiters für
alle Allergene, seien es solche, die inhaliert (Pollen, Milben, Haustiere,
Pilze, usw.), eingenommen (Lebensmittel oder Medikamente), injiziert oder
durch einen Stich übertragen (Medikamente, Giftstoffe von Insekten) oder
durch Kontakt (verschiedene chemische Substanzen usw.) hervorgerufen werden.
Auch wenn erst in den letzten Jahren gezielte epidemiologische Untersuchungen
durchgeführt worden sind, kann angenommen werden, dass in Italien ungefähr
15% der Bevölkerung allergische Erscheinungsformen zeigt, wobei sich das
klinische Ausmaß unterscheidet; für andere europäische Nationen werden höhere
Prozentanteile gemeldet (Frankreich, England, Schweiz und andere Skandinavische
Länder usw.)
Allgemein kann behauptet werden, dass in den europäischen Ländern in der
Allgemeinbevölkerung ein jährlicher Häufigkeitszuwachs von Allergieerkrankungen
von wenigsten 10-15% zu verzeichnen ist.
Bezüglich der Altersklassen, in denen die Allergien auftreten, gilt es festzuhalten,
dass die atopische Dermatitis und die klinischen Erscheinungsformen der
Lebensmittelallergien sehr häufig in den allerersten Lebensjahren auftreten,
um dann abzunehmen. Das Bronchialasthma, das durch Umweltallergene hervorgerufen
wird, beginnt häufig im 3.-4. Lebensjahr. Heuschnupfen beginnt im allgemeinen
nach dem 5. Lebensjahr und wird von Umweltallergenen ausgelöst, während
Pollenallergien häufig erst später auftreten, mit einer Inzidenzspitze um
das 20ste Lebensjahr für die
Paritaria und um die 20-30 Jahre für
die Pollen der Gräser
und anderer Kräuter- sowie Strauchpflanzen
und Bäume. Was die Geschlechterverteilung anbelangt, zeigt sich eine leichte
Prävalenz der Allergieerkrankungen beim männlichen Geschlecht bis zum 15.
Lebensjahr und bei den Frauen in den darauffolgenden Jahren.
Aus all diesen Gründen ist es notwendig, dass die Erwachsenen gesunde Lebensumfelder
in den Wohnbereichen, Schulen und in den Gemeinschaftseinrichtungen schaffen.
Die Kinder haben das Recht, in gesunden Lebensumfeldern zu leben, zu lernen
und zu spielen. Die Zukunft ihrer Gesundheit hängt von Entscheidungen ab,
die heute die Institutionen und die Erwachsenen im allgemeinen treffen.
Die Kosten für Maßnahmen zur Schaffung von gesunden Lebensumfeldern für
Kinder bilden nur einen Bruchteil der Kosten, die zur Sanierung von Schäden
und Risikosituationen aufgebracht werden müssen. Alle Aktionen in diesem
Sinne müssen gefördert werden, damit in der Welt den Millionen Toten im
Kindesalter entgegengesteuert werden kann. Der Landesrat für Gesundheitswesen,
die Bediensteten im Gesundheits- und Sozialwesen, die Lehrer und die freiwilligen
Vereinigungen können gemeinsam die Bürger über dieses Problem informieren.
Das Gesundheitswesen muss, zusammen mit allen anderen Assessoraten, einen
gemeinsamen Weg finden, damit Umweltbedingungen gewährleistet werden, die
für die Gesundheit aller Völker und insbesondere für die Kinder fördernd
sind. Das Assessorat für Gesundheitswesen wird sich solange einsetzen, bis
die Dienste der Gesundheitsvorsorge, wie der Dienst für Hygiene und öffentliche
Gesundheit, der Dienst für Umweltmedizin und die Tierärztlichen Dienste
in enger Zusammenarbeit mit der Umweltagentur, dem Pneumologischen Dienst
und den Einrichtungen und Bediensteten des Territoriums Daten sammeln und
Maßnahmen in die Wege leiten, um Risikosituationen für Kinder vorzubeugen,
zu kontrollieren und zu beseitigen.
Zu den Maßnahmen des Assessorates für Gesundheitswesen in Zusammenarbeit
mit den Diensten der Sanitätsbetriebe zählen:
• Errichtung der überbetrieblichen Sektion für Umweltmedizin
beim Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit des Sanitätsbetriebes
Bozen, der in Zukunft die Aufgabe hat, die Umweltrisiken für die Bevölkerung
zu beurteilen (zum Schutz der Arbeiter ist der Dienst für Arbeitsmedizin
verantwortlich);
• Förderung und Finanzierung von verschiedenen Initiativen
für eine rauchfreie Schule in allen Schulen Südtirols durch den Pneumologischen
Dienst und die Kinderärzte;
• Sammlung von Daten über Beschwerden der Atemwege und
der Allergien;
• Organisation von Veranstaltungen, mit besonderer Aufmerksamkeit
auf die Sicherheit des Kindes im Straßenverkehr (Mustermesse 2003);
• Sensibilisierung über das Problem Alkohol und Drogen
beim Lenken eines Fahrzeuges (Seminar vom 22/05/03);
• Förderung der Impfungen im Kindesalter in Zusammenarbeit
mit den Diensten der Sanitätsbetriebe, insbesondere die außerordentliche
Kampagne für die Impfung der Masern 2003/2004;
• Ratschläge an die Bevölkerung über gesunde Ernährung
und Lebensmittelhygiene;
• Kontrolle der Sicherheit der Lebensmittel durch die Dienste
für Hygiene und öffentliche Gesundheit und den Tierärztlichen Dienst
der Sanitätsbetriebe und Kontrolle der Gesundheit des Trinkwassers,
der Schwimmbäder und der korrekten Verwendung der Pestizide in der Landwirtschaft
in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ämtern und Labors des Assessorates
für Umwelt und Landwirtschaft.
Anlässlich dieses wichtigen Weltereignisses möchte der Landesrat für Gesundheitswesen
Dr. Otto Saurer an die Maßnahmen erinnern, die jeder Bürger für eine intakte
Welt für das Leben der Kinder ergreifen und /oder unterstützen kann:
• öffentliche Bereiche frei von Rauch halten
• Abfallbewirtschaftung
• Schutz der Natur und der Gewässer
• Einsatz für kontrollierten Verkehr und sichere Straßen
• Verwendung von umweltverträglichen Produkten
• Freizeit-, Spiel- und Heimplätze für Kinder sicher und
gesund halten
• Impfungen gegen schwere Krankheiten im Kindesalter
• Aufmunterung der Kinder für gesunde Ernährung und regelmäßige
physische Betätigung
• den Kindern den Sinn einer gesunden Umwelt und der persönlichen
Hygiene lehren
• Bau und Erhaltung der Umwelt, damit sie nicht ein Risiko
für die Gesundheit ist, mit besonderer Berücksichtigung der Umweltverschmutzung
der geschlossenen Lebensräume
ABTEILUNG GESUNDHEITSWESEN
Tel. 0471 41 15 50
www.provinz.bz.it/gesundheitswesen