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Die globale Krise als Chance für regionale Kreisläufe?

Herr Landesrat Berger, aktuell dreht sich alles um die globale Wirtschaftskrise. Wird auf die Wirtschaftskrise eine Umweltkrise folgen?

Die Vergangenheit hat leider immer wieder gezeigt, dass Wirtschaftskrisen allzu oft auch Umweltkrisen nach sich ziehen. Auch die aktuelle Krise wird global gesehen hier in vielen Bereichen keine Ausnahme sein. Angesichts der drohenden Gefahren für den erreichten Wohlstand und den gesellschaftlichen Frieden werden von vielen Regierungen Anreize geschaffen, die aus Umweltsicht zweifelhaft sind. China hat z.B. ein Anreizpaket aufgelegt, mit dem die sparsamen Chinesen zum Kauf von Autos, Fernsehen und Kühlschränken angeregt werden sollen.

Die Südtiroler Landesregierung hat ja auch bereits ein eine Milliarde Euro schweres Konjunkturpaket aufgelegt. Sind auch bei uns negative Umweltauswirkungen zu erwarten?

Ich denke nicht, denn wir haben ein sehr ausgewogenes Paket auf die Beine gestellt, in dem durchaus auch Umweltaspekte direkt zum Tragen kommen, wie z.B. die Investitionen in energetische Sanierungen oder in die Erhaltung der Berglandwirtschaft. Darüber hinaus haben wir in unserem Land eine recht hohe Sensibilität für Umweltthemen und eine entsprechende Gesetzgebung und Überwachung.

Sie haben in diesen Wochen öfters betont, dass der Kauf einheimischer Produkte das beste Konjunkturpaket wäre...

Und davon bin ich auch felsenfest überzeugt. Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation besteht über die Stärkung der regionalen Kreisläufe die Möglichkeit, sich vom globalen Wirtschaftsgeschehen etwas abzukoppeln und das lokale System über Arbeitsplatzsicherung und regionale Wertschöpfung zu stabilisieren.

Sie drängen ja schon seit längerem auf mehr einheimische Produkte in der heimischen Gastronomie. Warum denken Sie, dass heimische Nahrungsmittel, die ja in der Regel etwas teurer sind, gerade jetzt in Krisenzeiten einen Durchbruch erleben sollten?

Heimische Produkte sind nicht nur Nahrungsmittel, sie sind Lebensmittel und als solche bieten sie eine Chance sich zu differenzieren. Insofern stehen die höheren Kosten auch einem höheren Nutzen gegenüber. In der gehobenen Südtiroler Gastronomie ist diese Botschaft aufgenommen worden und man setzt vermehrt auf heimische und saisonale Produkte, da sie etwas Besonderes und nicht an jeder Ecke zu finden sind. Ich bin überzeugt, dass einheimische Produkte eine große Chance bieten und dabei denke ich nicht nur an Lebensmittel.

Die Krise ist also eine Chance?

In gewisser Weise ja, denn die Krise regt zum Nachdenken an und zwingt zur Neubewertung von bis dahin für unumstößlich gehaltene Tatsachen. Regionale und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe könnten dabei als tragfähige Zukunftsmodelle gestärkt werden. Es liegt aber an uns allen die dafür notwendige Sensibilität zu entwickeln. Wir dürfen nie vergessen, dass wir die Welt in der wir leben von unseren Kindern geliehen haben und dementsprechend müssen wir uns auch verhalten.

Landesrat Hans Berger Der Landesrat
Hans Berger