Klimahaus - Energieeffizienz und Komfort
Tag für Tag werden fossile Energiestoffe teurer und knapper. Gleichzeitig
ist eine Welt ohne diese kaum mehr vorstellbar: Energie ist der entscheidende
Motor für nahezu alle Lebensvorgänge. Die massive Nutzung von Kohle, Erdöl
und Erdgas führt zu steigendem Klimawandel. Die tägliche Herausforderung
unserer Zeit ist diesem entgegenzuwirken. Das große Schlagwort ist: ENERGIE
SPAREN - und jeder kann damit zur Erhaltung unserer Umwelt beitragen.
Energie sparend zu bauen ist heute Pflicht. Denn wer ein neues Haus baut
schafft Fakten - für Generationen. Nachträglich sind Energiesparmaßnahmen
nur mit höherem baulichem und finanziellem Aufwand möglich.
Energie- und umweltbewusste Hausbesitzer und Hausbesitzerinnen können in
Südtirol einen Klimaausweis für ihr Gebäude beantragen. Der Klimaausweis
liefert in leicht verständlicher Form Informationen über das Energieprofil
des Gebäudes. Der Klimaausweis wird vom Amt für Luft und Lärm für Wohngebäude
ausgestellt, wenn die energierelevanten Unterlagen eingereicht werden. Die
Ermittlung der Wärmekennzahlen erfolgt mit einem einheitlichen Berechnungsverfahren.
Der Klimaausweis informiert über den Wärmeverbrauch eines Gebäudes Mit diesem
Ausweis wird in leicht verständlicher Form die Energieeffizienz eines Wohngebäudes
dargestellt. Durch das Wissen über die Wärmekosten des Gebäudes werden Kauf-
und Mietentscheidungen erleichtert. Gleichzeitig wird es zum Anreiz, Investitionen
in die Energieeffizienz vorzunehmen.
Der Mindestwärmeschutzstandart wird mit der kürzlich genehmigten Energie-Einspar-Regelung
neu definiert. Durch das DEKRET DES LANDESHAUPTMANNS vom 29. September 2004,
Nr. 34 "Durchführungsverordnung zum Landesraumordnungsgesetz im Bereich
Energieeinsparung" dürfen zukünftig Wohnhäuser nur mehr die maximale Wärmekennzahl
von 70 KWh pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr erreichen. Das entspricht
einem Verbrauch von 7 Litern Heizöl pro Quadratmeter Wohnfl äche. Besonders
energiesparsame Gebäude werden mit einer KlimaHaus-Plakette ausgezeichnet:
Häuser mit einer Wärmekennzahl unter 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter
und Jahr erhalten die KlimaHaus B-Plakette. Liegt die Wärmekennzahl unter
30 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, erhält das Gebäude die Einstufung
Klimahaus A. Durch die neue Durchführungsverordnung kann man bei Gebäuden
mit einem Heizwärmebedarf laut Kategorie A des Klimaausweises über einen
Kubaturbonus verfügen. Dabei werden nur 0,3 Meter der Außenmauern zur urbanistischen
Kubatur gerechnet.
Werden neben der Energieeinsparung auch ökologisch unbedenkliche Materialien
verwendet, wird die Auszeichnung KlimaHaus Plus verliehen. Die Plakette,
die am Hauseingang angebracht wird, soll ein zusätzlicher Anreiz zum klimabewussten
Bauen sein.
Einmal jährlich wird in einem öffentlichkeitswirksamen Wettbewerb
das beste KlimaHaus Südtirols prämiert und vorgestellt. Dies geschah
heuer am Freitag, den 20. Mai. Dabei wurde das
Altersheim der Barmherzigen
Schwestern in Meran als Sieger des Wettbewerbs 2004 ernannt. Es
handelt sich dabei um ein KlimaHaus Aplus mit einem Heizwärmebedarf von
19 kWh/m2 pro Jahr. Bei der Prämierung wurde den Barmherzigen Schwestern
ein Bild des Berliner Künstlers Michael Müller als Preis übergeben. Dem
Planer des Heims Arch. Reinhard Knopp von Bozen wurde für die hervorragend
geleistete Arbeit eine Anerkennungsurkunde ausgestellt. Das Gebäude fällt
durch seine schlichte kompakte Bauweise auf. Es besitzt einen hohen Wärmedämmstandard
mit natürlicher Kühlmöglichkeit im Sommer. Wärmebrücken wurden weitgehend
vermieden. Passive Solarnutzung, Warmwasserbereitung durch Sonnenkollektoren,
Regenwassernutzung und das begrünte Dach runden das ökologische Bild ab.
Baubiologische Aspekte wurden konsequent berücksichtigt (Holzelemente, Lehm,
natürliche Farben). Erwähnenswert sind weiters einige urbanistische Aspekte:
Bauen auf schon bebautem Boden, Nutzung durch eine große Anzahl von Personen.

Im selben Rahmen erhielten der
Planer Arch. Nagler Stefan von Wengen
und die Bauherren Nagler Ruth und Lezuo Marco eine Auszeichnung
für die mustergültige Sanierung ihres Wohnhauses. Dieses Haus setzt ein
Zeichen dafür, dass sich das Klimahaus der Sanierung zuwendet und die Wiedergewinnung
unserer bebauten Umwelt verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.
Es ist ein Beispiel für eine vorbildhafte energetische Sanierung und Erweiterung
eines Gebäudes der Nachkriegszeit. Durch den Ausbau des Dachgeschoßes wurde
ohne weiteren Bodenverbrauch und ohne Erhöhung der Kubatur Raum dazu gewonnen.
Das Gebäude bietet Anregungen für eine bauliche Verdichtung unter Einbezug
der energetischen und ökologischen Aspekte. Optimale Wärmedämmung, kontrollierte
Lüftung, passive Solarenergienutzung und Einbindung der bestehenden Solaranlagehaben
aus einem alten Standardhaus ein KlimaHaus A gemacht.
Der Klimaausweis und der Wettbewerb sind eine konkrete ökologische und ökonomische
Antwort auf die wachsenden Herausforderungen das Klima zu schützen.
Das Klimahaus Projekt findet nicht nur in Südtirol großes Interesse, sondern
auch im Ausland, z.B. bei der Deutschen Energieagentur. Sogar aus Kanada
kommt ein Antrag auf eine Partnerschaft. Besonders lobenswert ist auch die
Selbstverpflichtung des Wohnbauinstitutes, nur mehr nach KlimaHaus- Standard
zu bauen. Dies ist nicht nur eine klimaverträgliche, sondern auch eine soziale
Maßnahme.
Norbert Lantschner
www.provinz.bz.it/umweltagentur