Das automatische Landesluftmessnetz (Immissionen)
Gesamtbewertung für das Jahr 2000
Die Landesumweltagentur - Labor f. Physikalische Chemie überwacht die
Luftschadstoffkonzentrationen in Südtirol mittels automatischen Messstationen
in Bozen, Meran, Brixen, Bruneck, Sterzing, Latsch und Ritten. Eine Gesamtbewertung
für das Jahr 2000 lautet wie folgt:
Die Luftschadstoffbelastung in Südtirol wird im Wesentlichen durch
die folgenden Faktoren beeinflusst: Südtirol ist ein alpines Gebiet
mit Städten, Dörfern und Straßen im Talbereich; die Schadstoffbelastung
ist hauptsächlich verkehrsbedingt und man beobachtet eine starke Abhängigkeit
von meteorologischen Parametern (z.B. thermische Inversion mit geringem
Luftaustausch in den Tälern). Die Folge sind ausgeprägte jahreszeitliche
Schwankungen, mit Minima während der Sommermonate, wenn die Durchlüftung
der Täler ausreichend ist und Maxima in den Wintermonaten bei Windstille.
Die Ozonbelastung tritt im Sommer auf, da dessen Bildung von der Sonneneinstrahlung
und der Temperatur abhängig ist.
Im Vergleich zur Landeshauptstadt ist die Schadstoffbelastung in den anderen
Städten und Dörfern deutlich geringer z.B. betragen in Latsch
die durchschnittlichen Stickstoffdioxidkonzentrationen (NO2) zirka ein Fünftel
der Werte von Bozen und die Staub- oder Schwefeldioxidbelastung ist praktisch
vernachlässigbar.
Am Ritten wird die Grundschadstoffbelastung gemessen. Auf Grund seiner Höhe
(1750 m) ist diese Messstation vor allem für die Ozonmessungen von
Interesse. Ozon und andere Vorläuferschadstoffe bilden sich vor allem
im Talkessel von Bozen oder in der Poebene. Von dort werden sie von Berg-
und Talwinden, sowie Südwinden in Richtung der Hochplateaus nördlich
von Bozen (Ritten, Seiseralm) verfrachtet. Da die Luft auf diesen Hochplateaus
reiner ist, bleibt das Ozon auch während der Nachtstunden erhalten.
Zu diesem bereits vorhandenen Ozon kommt am nächsten Tag noch weiteres
dazu. Anders verhält es sich in der Stadt. Durch das dort vorhandene
Stickstoffmonoxid (NO) wird in der Nacht das Ozon abgebaut und damit eine
geringere Anreicherung erzielt. Die höchsten Ozonkonzentrationen sind
vor allem von der Dauer der Schönwetterperiode abhängig; je länger
diese andauert, um so höher wird die Ozonkonzentration ausfallen. Je
besser die meteorologische Situation bekannt ist, um so eher können
Überschreitungen vorhergesagt werden. Üblicherweise dauern Ozonspitzenwerte
nur wenige Stunden. Ein kurzer Regen genügt um die Luft zu reinigen.
Erhöhte Ozonkonzentrationen werden im Raum Bozen auch infolge von Schadstofftransport
aus dem Süden beobachtet. Vergleichsmessungen am Ritten und auf der
Seiseralm haben gezeigt, dass dort die Ozonkonzentrationen gleich hoch sind.
Da in Anwesenheit anderer Luftschadstoffe, wie z.B. NO das Ozon abgebaut
wird, muss eine Ozonmessstation in einiger Entfernung von vielbefahrenen
Straßen errichtet werden. In Bozen wurde dieses Problem dahingehend
gelöst, dass die Messstation am Sitz des Labors im dritten Stock errichtet
wurde. Dort wird die Ozonkonzentration weniger von den Abgasen beeinflusst
und man hat einen repräsentativeren Wert für die Situation im
Talkessel von Bozen.
In Bozen betreibt das Labor insgesamt vier Messstationen, die an besonders
kritischen und aussagekräftigen Stellen errichtet wurden, sodass man
davon ausgehen kann, dass an anderen Standorten die Schadstoffbelastung
geringer ist. Zwei davon befinden sich am Hadrian- und Verdiplatz, beide
Lagen sind stark verkehrsbelastet. Eine weitere Messstation befindet sich
nahe dem Industriegebiet von Bozen in der stark befahrenen Claudia Augustastrasse.
Die vierte Messstation befindet sich in der Amba Alagistrasse, einem typischen
Wohngebiet im Zentrum von Bozen. Normalerweise findet man die höchste
Belastung am Hadrianplatz, dann folgen der Verdiplatz, die Claudia Augustastrasse
und schließlich, wie zu erwarten, die Amba Alagistrasse. Die hohen
Schadstoffwerte am Hadrianplatz sind auf die vergleichsweise engen Straßen,
den hohen Gebäuden, dem entsprechend geringen Luftaustausch und natürlich
dem hohen Verkehrsaufkommen zurückzuführen.
Wie bereits erwähnt, beobachtet man in Bozen die Zunahme der Schadstoffbelastung
vor al-lem in den Wintermonaten, bei Ausbildung der thermischen Inversion
und vorherrschender Windstille. Als Beispiel sei der Zeitraum vom 18. bis
22.12.2000 graphisch dargestellt, in dem bei vorherrschender Windstille
die Stickstoffdioxidwerte an den Messstationen Hadrianplatz und Claudia
Augustastrasse stark angestiegen sind. Erst durch auftretende Talwinde in
der Nacht vom 22.12.2000 wurde die Situation bereinigt.
Auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre kann behauptet werden, dass
es vor allem in Bozen bei ungünstigen meteoklimatischen Bedingungen
zu Grenzwertüberschreitungen kommen kann und dass es daher unbedingt
notwendig erscheint, das Verkehrsaufkommen an den Hauptdurchzugsstrassen
in Richtung Zentrum einzuschränken. In den anderen Städten und
Dörfern Südtirols sind Genzwertüberschreitungen weniger wahrscheinlich.
Einen interessanten Vergleich bieten die Messwerte von Sterzing. Während
sich die Messstation bis zum April 1998 auf einem zentral gelegenen Parkplatz
(Kondominium Europa) befand, musste sie im Sommer des selben Jahres verlegt
werden. Nach langem Überlegen wurde als neuer Standort ein Wohngebiet
im Nahbereich der Brennerautobahn, in der St. Margheritastrasse ausgewählt.
Der neue Standort sollte einerseits für das Gebiet von Sterzing repräsentativ
sein, andererseits auch über die mögliche Belastung durch die
Autobahn Auskunft geben. Aus dem Vergleich der Messwerte (Sommer und Winter)
vor und nach der Übersie-delung ist ersichtlich, dass bezüglich
des Gesamtstaubes, des Kohlenstoffmonoxids (CO) und des Schwefeldioxids
(SO2) die Schadstoffbelastung abgenommen hat. Bezüglich des CO handelt
es sich um einen allgemeinen Trend. Den Gesamtstaub und das Schwefeldioxid
(SO2) betreffend kann man hingegen tatsächlich annehmen, dass der neue
Standort auf Grund seiner weniger zentralen Lage (Heizanlagen der benachbarten
Häuser, Parkplatz usw.) geringere Schadstoffwerte aufweist. Beim Stickstoffmonoxid
(NO) und Stickstoffdioxid (NO2) beobachtet man hingegen eine deutliche Zunahme
vor allem in den Sommermonaten, welche auf den Einfluss der Autobahn zurückzuführen
ist.
An diesem Beispiel sieht man, dass unsere Messstationen, auf Grund der Tatsache
dass sie sich innerhalb der Städte und Dörfer befinden, vor allem
den Schadstoffausstoß des Stadtverkehrs messen und nur unter besonders
günstigen Umständen (geeigneter Standort, geringe Grundbelastung)
einen Schadstoffeintrag von außen (z.B. Autobahn) erfassen können.
Bemerkungen zu den einzelnen Schadstoffen:
Bei den Luftschadstoffen Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenstoffmonoxid
(CO), Gesamtstaub und Feinstaub (PM10) hat es im vergangenen Jahr (2000)
bezüglich der Warn- und Alarmschwellen (DM 25.11.94), keine Überschreitungen
gegeben, ausgenommen kurzzeitige Überschreitungen der Warnschwelle
beim Ozon (O3) in Bozen und am Ritten.
Allgemeinen kann man feststellen, dass sich die Belastung durch Schwefeldioxid
auf ein sehr niedriges Niveau eingependelt hat. Die Durchschnittswerte liegen
fast zwei Größenordnungen unter der Warnschwelle. Diese Abnahme
ist eine Folge der Methanisierung. Methangas enthält viel weniger Schwefel
als z.B. Steinkohle. Schwefeldioxid wird in der Atmosphäre zu Schwefelsäure
oxidiert und ist der Hauptverantwortliche für den sog. "sauren Regen"
(Übersäuerung der Böden, Schäden an der Bausubstanz,
usw.).
Kohlenstoffmonoxid ist in der Hauptsache verkehrsbedingt. Dessen Emissionen
sind eng an die Betriebsbedingungen der Kraftfahrzeugmotore gekoppelt; hohe
Werte misst man bei geringeren Drehzahlen, also typische Verkehrsbedingungen
im Stadtbereich. International wird eine Abnahme der Kohlenstoffmonoxidkonzentrationen
beobachtet. Sie ist auf die Zunahme der mit Katalysatoren ausgestatteten
Fahrzeuge zurückzuführen.
Stickstoffdioxid ist einer der gefährlichsten Luftschadstoffe. Einerseits
weil er selbst ein Reizstoff ist und andererseits weil bei starker Sonneneinstrahlung
vom Stickstoffdioxid die Bildung einer ganzen Reihe weiterer Schadstoffe
ausgeht, die unter dem Sammelbegriff Fotosmog angeführt werden und
dessen wichtigster Vertreter das Ozon ist. Der Hauptanteil an Stickstoffdioxid
ist in den Autoabgasen enthalten. Im allgemeinen steigt die Stickstoffdioxidproduktion
mit zunehmender Verbrennungstemperatur. Zur Zeit ist die Belastung durch
Stickstoffdioxid in den Städten und Dörfern Südtirols im
Jahresdurchschnitt gleichbleibend.
Ozon und die Stickoxide hängen zusammen und stehen in direkter Korrelation
mit dem Verkehrsaufkommen. Zusätzlich sind zur Ozonbildung wie bereits
erwähnt starke Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen notwendig.
Das Ozonproblem zeigt sich vor allem im Talkessel von Bozen. Die Seitentäler
in Südtirol sind davon weniger betroffen und in den letzten Jahren
wurden dort keine Überschreitungen festgestellt. Angesichts einer sich
abzeichnenden Grenzwertüberschreitung beim Ozon, wird vom Labor eine
Mitteilung an die Bevölkerung herausgegeben. Wie man auch aus der Graphik
der Ozonmaxima 1990 bis 2000, gemessen am Ritten und in Bozen feststellen
kann, ist der Verlauf in den letzten zehn Jahren ziemlich konstant geblieben.
Der Gesamtstaub besteht aus dem gesamten in der Luft enthaltenen, nicht
gasförmigen Material. Dessen Herkunft kann sehr unterschiedlich sein:
Blütenstaub, Pflanzenteile, von Wind und Regen mitgeführtes Material,
Industriestaub, Abrieb von Asphalt, Reifen- und Bremsenmaterial, sowie Rußteilchen,
insbesondere von Dieselmotoren. Staub ist sowohl an sich gefährlich,
als auch weil er an seiner Oberfläche andere Schadstoffe aufnehmen
kann. Man schätzt, dass Staub der wichtigste Überträger von
Schadstoffen ist. Neben seiner Konzentration ist vor allem die Partikelgrösse
entscheidend und zwar weil je kleiner die Teilchen sind, um so tiefer können
sie in die Lunge eindringen. Während Staub mit einer Teilchengröße
von mehr als 10 µm bereits am Lungeneingang abgefangen wird, gelangen
Teilchen mit kleinerem Durchmesser bis in die Bronchien und weiter. Der
Gesamtstaub wird in sämtlichen Messstationen in den Städten und
Dörfern in Südtirol gemessen. Der Feinstaub (PM 10) wird hingegen
seit Ende 1999 nur am Verdiplatz in Bozen gemessen. Dabei wurde ein Jahresmittelwert
von 21 µg/m³ ermittelt. Zum Vergleich beträgt der diesbezügliche
Grenzwert 40µg/m³. 2001 werden sämtliche Messstationen auf
die PM 10-Messung umgerüstet werden.
Benzol wurde von der IARC (Internationalen Kommission zur Krebserforschung)
als krebserregend klassifiziert. Benzol ist in sehr geringen Mengen (ca.
1%) in den Kraftstoffen enthalten. Der Hauptanteil entsteht jedoch vor allem
bei der unvollständigen Verbrennung des Aromatenanteils (ca. 30 - 40%)
im Kraftstoff. Die Aromaten verbessern die Klopffestigkeit der Treibstoffe.
Aus gesundheitspolitischen Überlegungen wurde am 01.01.1999 der frühere
Immissionsgrenzwert für Benzol von 15µg/m³ auf 10µg/m³
(Jahresmittelwert!) herabgesetzt.
Benzol wird in Bozen kontinuierlich an den Messstationen am Hadrianplatz
und Claudia Augustastrasse gemessen. 1999 wurde am Hadrianplatz ein Jahresmittelwert
von 11,8 µg/m³ und 2000 ein Jahresmittelwert von 11,4 µg/m³
gemessen und damit der neue Grenzwert von 10 µg/m³ geringfügig
überschritten. In der Claudia Augustastrasse betrug 2000 der Jahresmittelwert
nur 5,6 µg/m³. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Benzolbelastung
vor allem an den zentralen Hauptverkehrsadern auftritt, während Randgebiete
deutlich geringer belastet sind. Die Graphik zeigt den Verlauf der Monatsmittelwerte
bei Benzol 1999-2000.
Die aktuellen Daten (Tages- und Monatsverläufe aller Messparameter)
sämtlicher Messstationen sind jederzeit auf Internet abrufbar:
www.provinz.bz.it - Bürgernetz - Umwelt - aktuelle Luftmessdaten.
Dr. Luigi Minach – Landesumweltagentur
www.provinz.bz.it/umweltagentur