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Die Luft, die wir atmen!
Grundlagen, Schadstoffe und ihre Auswirkungen

In Südtirol werden jährlich von allen anthropogenen Schadstoffquellen insgesamt ca. 57.000 Tonnen Luftschadstoffe in die Atmosphäre geblasen. Der motorisierte Verkehr hat davon einen Anteil von fast 80%.

Die Brennerautobahn kann als die größte "lineare Emissionsquelle" in Südtirol bezeichnet werden. Sie misst zwischen Brenner und Salurn gerade 116 Kilometer und hat damit einen Anteil am Gesamtstraßennetz des Landes von 1,3%. Aber dieser Autobahnabschnitt verursachte im Jahr 2000 einen Ausstoß von knapp 13.000 Tonnen Luftschadstoffen. Das entspricht in etwa 23% aller in Südtirol emittierten Schadstoffe.

Gemessen an den gesamten verkehrsbedingten Emissionen liefert der Autobahnverkehr fast 30 % der Schadstofffracht.


Zusammenhang zwischen Emission, Transmission und Immission

Für die Beurteilung der Belastung durch Luftschadstoffe im lokalen und regionalen Massstab sind drei wesentliche Vorgänge zu berücksichtigen:
• Emission (Schadstoffausstoss an der Quelle)
• Transmission (Ausbreitung und teilweise Umwandlung der Schadstoffe in der Luft)
• Immission (Schadstoffkonzentration oder -deposition am Ort des Einwirkens)

Verdünnung der freigesetzten Luftschadstoffe

Ungünstige Ausbreitungsverhältnisse

Im inneralpinen Raum sind die Geländeformungen stark ausgeprägt. Hinzu kommen häufige und stabile Inversionslagen sowie länger andauernde Schwachwindzeiten in den Tälern. All diese Faktoren behindern in den Tälern die Ausbreitung der freigesetzten Luftschadstoffe. Im ebenen Gelände hingegen führen die günstigeren Ausbreitungsbedingungen relativ rasch zu einer Verdünnung der freigesetzten Luftschadstoffe.

In den Tallagen kommt es zudem häufig zu einer Kanalisierung von Windströmungen, so dass die Emissionen vornehmlich entlang der Talachse sich ausbreiten.

Wenn die atmosphärische Schichtung eine austauscharme Wetterlage zeigt, kann es zu einer Akkumulation von Schadstoffen in den bodennahen Luftschichten führen. Solche Situationen sind häufig in der Nacht und in den Herbst- und Wintermonaten anzutreffen. Dies bedeutet, dass die emittierten Luftschadstoffe eines Fahrzeuges je nach Tages- und Jahreszeit eine unterschiedliche Immissionsbelastung verursachen.

Untersuchungen zeigen, dass Emissionen während der Morgen-, Abend- und Nachtstunden mehr als 20-mal höhere Immissionsbelastungen bewirken als tagsüber ohne Inversionen. Im Winter wiederum verursachen die Luftschadstoffe der Fahrzeuge aufgrund des eingeschränkten vertikalen Luftaustausches eine etwa 5-mal höhere Immissionsbelastung als im Sommer.

Von Bedeutung sind auch Hangaufwinde in den Alpentälern. Sie können die bodennahen Schadstoffe in die mittleren und hohen Hanglagen verfrachten und somit den besonders ökosensiblen Bereich der Schutzwälder gefährden.


Auswirkungen der Luftverschmutzung

Akute Wirkungen
Luftschadstoffe können beim Menschen sowohl akute wie auch chronische Wirkungen hervorrufen. Im Einzelfall ist es jedoch schwierig, den direkten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und gesundheitlicher Beeinträchtigung nachzuweisen. Je nach Schadstoff sind aber doch einzelne Organe stärker betroffen: so die Atemwege durch lungengängigen Staub, Stickstoffdioxid, Ozon und Schwefeldioxid; Herz und Gehirn durch Kohlenmonoxid; Nervensystem, Blut und Niere durch Blei; die Niere auch durch Cadmium.

Chronische Wirkungen
Neben den unmittelbaren, akuten Wirkungen auf die menschliche Gesundheit sind auch mögliche Langzeitwirkungen der Luftschadstoffe zu beachten. Bei Erwachsenen führen schon geringe Erhöhungen der Schadstoffkonzentrationen in der Luft zu messbaren Einschränkungen der Leistungsfähigkeit der Lungen. Mit Lungenfunktionseinbussen können entzündliche Veränderungen des Lungengewebes einhergehen, die längerfristig zu einer vorzeitigen Alterung der Lunge führen können. Atemwegserkrankungen und Atemwegsbeschwerden kommen in der Schweiz häufig vor. Das Auftreten dieser Beschwerden steht in engem Zusammenhang mit der Schadstoffbelastung der Luft. In Gebieten mit permanent erhöhter Stickoxidbelastung treten vermehrt Atemwegserkrankungen bei Kindern auf.

Auswirkungen der feinen Stäube
Umweltepidemiologische Studien haben sich in den letzten Jahren intensiv mit den Auswirkungen der feinen Stäube auf die menschliche Gesundheit befasst. PM10, die lungengängige Fraktion des Schwebestaubs, hat sich dabei als guter Indikator für das gesundheitlich relevante Schadstoffgemisch erweisen. Diese feinen Partikel können in die Bronchien, Bronchiolen und Alveolen eindringen, das Reinigungssystem der Lunge schädigen und zu entzündlichen Reaktionen führen. Bei erhöhten PM10-Immissionen treten vermehrt Anfälle von Atemnot, Atemwegsinfektionen sowie Symptome in den tieferen Atemwegen auf. Ferner verschlechtern sich bestehende Symptome, und es kommt zu Lungenfunktionseinbussen sowie zu vermehrten Notfallkonsultationen und Spitaleintritten wegen Atemwegsproblemen. Ebenfalls nimmt die tägliche Mortalitätsrate sowie die Langzeitmortalität (Verkürzung der Lebenserwartung) zu. Die Studien zeigen klare, lineare Dosis-Wirkungsbeziehungen zwischen der PM10-Belastung und den verschiedenen gesundheitlichen Auswirkungen.

Wirkungen erhöhter Ozonwerte
Beim Ozon stehen akute Wirkungen im Vordergrund. Es sind dies - je nach Konzentration und Dauer der Belastung - Reizungen von Augen, Nase, Hals und tieferen Atemwegen, Enge und Druck auf der Brust sowie Husten. Ferner werden die Lungenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit herabgesetzt. Die Auswirkungen von Ozon und anderen Reizgasen wie NO2 und SO2 sind durch große individuelle Unterschiede gekennzeichnet, sowohl bei gesunden Erwachsenen und Kindern als auch bei Lungenkranken.

Krebserzeugende Schadstoffe
Dieselrusspartikel, Benzol, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Cadmium und Asbest zählen zu den krebserzeugenden Luftschadstoffen. Diese sind für den Menschen bereits in kleinsten Mengen schädlich - eine unschädliche Schwellenkonzentration gibt es nicht. Gemäss einem Expertenbericht aus Deutschland tragen in den Ballungsgebieten vor allem die Dieselrusspartikel 60 bis 70%, die PAK 15% und Benzol 10% zum heutigen luftschadstoffbedingten Krebsrisiko bei.

Schäden an Pflanzen
Bei den heutigen sommerlichen Ozon-Belastungen treten nachgewiesenermassen Schäden und Ertragseinbussen an landwirtschaftlichen Kulturen auf. Die Erntausfälle liegen in der Schweiz je nach Region und Kultur bei 5-15%.

Wirkungsorientierte Grenzwerte
Waldbäume müssen durch die Luftverschmutzung mit einem zusätzlichen, anthropogen verursachten Stress fertig werden. Die Luftverschmutzung ist ein wichtiger Faktor, der zur Schwächung und zur Destabilisierung des Ökosystems Wald führt. Die Luftverschmutzung und die damit verbundene Deposition von Schadstoffen beeinflussen das Ökosystem Wald auf vielfältige Wiese negativ. Neben den beobachten direkten Wirkungen gasförmiger Luftschadstoffe stören Säure- und Stickstoffeinträge in den Waldboden das natürliche Gleichgewicht und stellen mittelfristig ein erhebliches Risiko dar.


Norbert Lantschner