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Radon in Südtirol

Mehr Info unter: Landesumweltagentur


Im September 2000 wurde im Internet die Neuauflage der Radonbroschüre veröffentlicht. Die Broschüre wurde von Dr. Luigi Minach, Leiter der Landesumweltagentur verfasst und enthält die neuen Meßdaten, sowie die aktuelle Radonlandkarte von Südtirol. Letztere ist das Resultat umfassender Radonmessungen in 2345 Häusern/Wohnungen in ganz Südtirol. Im Jahresdurchschnitt wird in ca. 9% der untersuchten Häuser, im Erdgeschoss, der von der EU empfohlene Richtwert von 400 Bq/m³ überschritten, in ca. 2% der Häuser liegen die Messwerte sogar über 1000 Bq/m³. Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es ist geruch- und geschmacklos und entsteht beim radioaktiven Zerfall des im Boden enthaltenen Urans. Gesteine mit erhöhtem Urangehalt (Tuffgestein, Granitgneis, Quarzporphyr, Quarzphyllit) können vermehrt Radongas abgeben.

Radon in Südtirol

Erhöhte Radonwerte in Gebäuden findet man im oberen Vinschgau [Schlandes (93), Laas (42), Martell (49), Taufers (103), Stilfs (95)], im Pustertal [Gais (34), Rasen Antholz (71), Percha (63), Kiens (21), Niederdorf (113)] , in Franzensfeste (32) und in Lüsen (44). Die Gemeinde Tramin (98) ist zwar ebenfalls dunkelgrün eingezeichnet, die Anzahl der Messungen (3) ist allerdings zu gering um eine sichere Zuordnung zu erlauben. Die weiß eingezeichneten Gemeinden wurden noch nicht vermessen. Die rot eingezeichneten Zahlen entsprichen dem Gemeindekodex und dienen zur Identifikation der Gemeinde (Messwerte siehe Broschüre).

Radongas erhöht das Lungenkrebsrisiko.
Auf Grund neuer Untersuchungen schätzt man, dass das relative Lungenkrebsrisiko um 10% pro 100Bq/m³ Radon in der Raumluft ansteigt, also bei 1000 Bq/m³ doppelt so hoch ist, wie normal. Erste Ansätze einer epidemiologischen Erhebung haben bisher in Südtirol keine Auffälligkeiten im Sinne einer Korrelation zw. Radon und Lungenkrebs gezeigt (die zur Verfügung stehenden Daten sind allerdings sehr begrenzt). Die Situation ist damit nicht besorgniserregend, aber auch nicht vernachlässigbar.

Neue gesetzliche Regelung.
Mit dem Legislativdekret Nr. 241 vom 26.05.2000 wurde in Italien die Exposition an Radongas am Arbeitsplatz gesetzlich geregelt, insbesondere gilt dies für unterirdische Arbeitsplätze in Radonrisikogebieten, sowie Pflichtschulen, Kindergärten, usw.. Die Eingreifschwelle liegt bei 500 Bq/m³ Jahresmittelwert (= 3 mSv/2000 Arbeitsstunden pro Jahr). Der Arbeitgeber ist verplichtetet Radonmessungen durchführen zu lassen und bei Überschreitung Sanierungsmaßnahmen einzuleiten (D.L. 26 maggio 2000, n.241 - veröffentlicht G.U. n.203 vom 31.08.2000, N.140/L; Wirkung ab 01.01.2001).

Gegenmaßnahmen wurden in Südtirol erprobt, sie sind normalerweise einfach und wirkungsvoll! Die Broschüre zeigt die wichtigsten Gegenmaßnahmen und erläutert deren Wirkungsweise.

Allgemein gilt: Je durchlässiger der Untergrund (Lockergestein), desto eher kann Radongas bis zur Erdoberfläche aufsteigen. Während sich Radongas im Freien rasch verflüchtigt, kann es über undichte Stellen im Fundamentbereich in die Häuser eindringen und sich dort ansammeln. Besonders betroffen sind Keller- und Parterrewohnungen. Höhere Stockwerke sind geringer belastet.
Beim Neubau besteht die wichtigste vorbeugende Maßnahme darin, abzuklären, ob sich das vorgesehene Bauland in einer Region mit erhöhtem Radonvorkommen befindet. Wenn ja, sollte man folgende Maßnahmen beachten: Dichte Bodenkonstruktion wählen, ideal ist eine durchgehende Bodenplatte, wenn nicht anders möglich im Unterbau eine Bodenluftabführung einplanen, Schächte (Leitungen, Lifte) so planen, daß keine Transportkanäle für das Radon in den Wohnbereich entstehen. Naturbodenkeller vermeiden.

Radon in Südtirol

Das Bild zeigt eine Möglichkeit der Luftabführung aus dem Unterbau: Das vom Boden austretende Radongas sammelt sich im Kiesbett und kann über Drainagerohre ins Freie entweichen. Durch geeignete Auslegung der Anlage kann dies auf natürliche Weise oder mit Hilfe eines kleinen Ventilators geschehen. Bei aktiver Luftabsaugung durch einen Ventilator haben Schwachstellen am Bodenrand nur untergeordnete Bedeutung. Anderenfalls muss hier auf besondere Dichtheit geachtet werden. Genauere Angaben findet man in der Broschüre.
Bei bereits bestehenden Häusern in Radongebieten sollte man eine Radonmessung bei der Landesumweltagentur beantragen (kostet nur Lit. 50.000 + IVA). Wurden deutlich erhöhte Werte festgestellt, ist vermehrtes Lüften normalerweise nicht ausreichend, um das Radonproblem zu lösen. Auch in diesem Fall gibt es aber mehrere Sanierungsmöglichkeiten, die meist mit geringem Kostenaufwand vom Hausbesitzer selbst realisiert werden können. Die Broschüre zeigt wie!

Dr. Luigi Minach – Landesumweltagentur
www.provinz.bz.it/umweltagentur