Radon
Es ist da! Vor wenigen Wochen ist nach langem Warten das Radonhandbuch der WHO (Weltgesundheitsorganisation) erschienen.
Dort wird deutlich zu den Gefahren von Radon Stellung bezogen und auf die Wichtigkeit dieser Thematik hingewiesen. |
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Doch was ist Radon überhaupt?
Radon ist ein radioaktives Edelgas, was beim Zerfall von Stoffen in den obersten 10 km der Erde entsteht. Da es sich um ein Gas handelt, steigt es nach oben und wird in Folge des so genannten „Sogeffektes“ bei unserer dichten Bauweisen direkt durch die Bodenplatten oder Erdwärmetauscher der Lüftungsanlagen in unsere Häuser gesagt.
Warum ist das gefährlich?
Radongas ist als gefährlich anzusehen, weil bereits nach kurzer Zeit der Gaszustand aufgelöst wird und es in winzig kleine Schwermetallteilchen zerfällt. Dabei wird radioaktive Strahlung frei, die zwar eine sehr geringe Reichweite aber leider eine hohe Wirkung besitzt.
Wenn wir nun dieses Gas einatmen, zerfällt es zum Teil in unserm Organismus während es Strahlung freisetzt, die genverändernde Wirkung besitzt. Da dies in der Regel in der Lunge passiert, ist Lungenkrebs eine mögliche Folge.
Nach Aussagen von zahlreichen Experten und Wissenschaftlern in vielen Ländern ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache um an Lungenkrebs zu erkranken.
Wie wird einen Radonmenge bewertet?
Gewöhnlich werden die Zerfallsakte gezählt. Die Maßeinheit dafür lautet Bequarel pro Raummeter und Jahr (Bq/m³a). Damit kann man klar beschreiben, wie stark die radioaktive Belastung ist.
Wie wird Radon gemessen?
Da es sich bei Radon um ein Gas handelt, dessen Strömungsverhalten sehr stark von vielen Einflüssen abhängt, ist es sinnvoll langfristige Messungen zu machen. So genannte Kurzzeitmessungen sind nur Momentaufnahmen. Da sich Radon in Häusern verteilt und wir uns am häufigsten im Schlafzimmer aufhalten, ist es sinnvoll die Radonkonzentration an mehreren Stellen, besonders in Schlaf- und Kinderzimmern zu messen.
Wenn man wissen will, ob und wie stark der vorhandenen Baugrund radonbelastet ist, kann in einer Zeitspanne von drei bis vier Wochen der Radongehalt der ausströmenden Bodenluft gemessen werden.
Nach dem Messen müssen die Ergebnisse von einem Fachmann ausgewertet und ein Sanierungs- oder Planungskonzept erstellt werden.
Ab wann ist eine Radonkonzentration gefährlich?
Da bis dato für die Definition von Grenzwerten ausschließlich Vergleichswerte von Tagebaustudien herangezogen wurden, sind die ausgewiesenen Richtwerte für Radonkonzentrationen in Innenräumen relativ hoch angesetzt. In Südtirol liegen die empfohlenen Richtwertewerte im Neubau bei 200 Bq/m³Jahr und mit im Altbau bei 400 Bq/m³Jahr. Dies entspricht dem europäischen Standard, wobei der durchschnittliche Mittelwert für Radonkonzentrationen in Parterrewohnungen in Südtirol mit 170 Bq/m³Jahr (laut Amt für Luft und Lärm 2003) sehr hoch ist.
Dass Radioaktivität allen Lebewesen schadet ist hinreichend bekannt und dass der Mensch an den Folgen von hohen radioaktiven Dosen schnell erkrankt und sterben kann bewiesen uns zahlreiche schreckliche Ereignisse in der Geschichte. Es ist seitens der Wissenschaft davon auszugehen, dass die Wirkung von hohen radioaktiven Dosen auf den menschlichen Körper somit hinreichend erforscht ist.
In wie weit sich jedoch geringere radioaktive Dosen (z.B. durch häufiges Röntgen oder Radonkonzentration in Innenräumen) auf unserer Gesundheit auswirken war bisher kaum bekannt. Da es jedoch auch Jahrzehnte nach dem Tschernobyl-Unglück in Gegenden mit gering auffälligen Radioaktivitäten sowie in radonbelasteten Wohnungen auffallend häufiger zu Krankheitsfällen kommt, wurde bereits seit längerem gemutmaßt, dass die Wirkung von niedrigen radioaktiven Dosen unterschätzt wird.
Unter Hinzunahme von umfangreichen europäischen Studien zu Radonbelastungen in Wohnräumen und Lungenkrebsraten wurde nun von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ein Zielwert für alle Wohneinheiten von 100 Bq/m³Jahr definiert.
Der von der WHO vorgegebene Wert besitzt in keinem Land bindende Wirkung und müsste durch politisch-strukturelle Maßnahmen bestätigt werden. Da eine Zielstellung von 100 Bq/m³Jahr für alle Häuser sicherlich sinnvoll jedoch wirtschaftlich kaum möglich ist, werden wohl nur wenige Länder den Weg gehen und diesen Grenzwert 1:1 übernehmen.
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| Quelle: Deutsches Bundesamt für Strahlenschutz |
Als Vorbild ist in diesem Kontext Schweden zu nennen, wo bis 2020 alle Häuser (Neubau und Bestand) auf einen Wert von 200 Bq/m³Jahr gesenkt werden sollen. Der Weg zu gesetzlichen Grenzwerten ist hinsichtlich der enormen Kosten für zahlreiche Bestandssanierungen kaum bestreitbar und doch hilft uns ein Zielwert von 100 Bq/m³Jahr die vorhandenen gemessenen Radonwerte zu deuten und gibt uns ein Instrument in die Hand mit dem wir die Gefahr der einzelnen Immobilien bewerten können. Damit erreichen wir vielleicht eines Tages auch das Radon-Bewusstsein der Amerikaner. Obwohl diese in vielerlei Hinsicht wenig Verständnis für Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz zeigen, wird das Thema dort bereits seit langem diskutiert und bekämpft. Dort sind Radonmessungen ganz alltäglich und Häuser mit Werten über 148 Bq/m³Jahr dürfen nur mit Kennzeichnungspflicht verkauft werden.
Eine nachträglichter sicherer Radonschutz in bestehen belasteten Gebäuden erweist sich immer als aufwendig und schwerer zu realisieren als bei Neubauten, bei denen die Schutzmaßnahmen den örtlich gegebenen Bedingungen entsprechen.
Da Radonkarten immer nur Hinweise bieten können, stellt eine Radon-Bodenluftmessung mit Planungskonzept die sicherste Grundlage für eine preiswerte und angepasste Schutzmaßnahme dar.
Was kann man tun?
Der sicherste Schutz gegen Radon ist das regelmäßige Lüften, was bei häufiger Abwesenheit leider nicht immer ausreicht.
Um geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen bietet eine fundierte Messung die sicherste Grundlage, um nicht am Problem vorbei zu sanieren.
Wenn eine Immobilie oder Grund gekauft werden soll, dann ist es ähnlich wie beim Elektrosmog sinnvoll schon vorher nach einem Gutachten zufragen.
Das Thema Radon stellt eine Gefahr für den Menschen dar, doch nur wenn es ignoriert wird, denn jeder gemessene Wert bietet Lösungsmöglichkeiten, welche häufig preiswert zu realisieren sind.

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Nähere Informationen zum Thema unter www.biokonstrukt.com.
Der Verfasser Dipl. Ing. (BA), Baubiologe IBN, Sachverständiger für Schimmelpilzschäden und Energieberater, lebt seit zwei Jahren in Südtirol und betreibt eine baubiologische Beratungsstelle in Percha.
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