Radonsanierungen und Radonvorsorge - eine neue Aufgabe für den Bausektor
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es ist ein Zerfallsprodukt
vom Uran, einem weit verbreiteten Spurenelement. In geringen Konzentrationen
(normalerweise weniger als 30 Bq/m³) ist Radongas auch in unserer Außenluft
enthalten. Bei einem hohen Anteil an kristallinen Böden z.B. Granit und
Gneisen, kann es im Boden vergleichsweise hohe Konzentrationen erreichen
(einige 100.000 Bq/m³ und mehr).Vom Erdreich kann Radongas über undichte
Stellen in unsere Häuser eindringen und auch dort, vor allem in Keller-
und Parterrewohnungen, beachtliche Werte annehmen (bis zu einigen 10.000
Bq/m³).

BILD 1) zeigt die Größenordnung der Radonkonzentrationen die in Südtirol
in der Außenluft, in den Gebäuden und im Boden gemessen wurden.
Erhöhte Radonwerte im Wohnbereich sind eine Gefahr für unsere Gesundheit.
Eingeatmet, verursachen Radongas und insbesondere seine ebenfalls radioaktiven
Tochterprodukte, welche sich auf dem Lungengewebe ablagern, eine Bestrahlung
(Alfastrahlung) der Epithelzellen, vornehmlich im Bereich der Bronchien.
Nach dem Rauchen gilt Radongas als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

BILD 2) Nach dem Rauchen wird Radongas als zweithäufigte Uhrsache für Lungenkrebs
eingestuft.
Erhöhte Radonkonzentrationen im Wohnbereich sollten vermieden werden und
die meisten Staaten haben entsprechende Richtwerte bzw. Grenzwerte eingeführt.
Mit Inkrafttreten des Legislativdekretes Nr. 241 vom 26.05.2000 gilt in
Italien für Arbeitsräume, wie auch in Schulen und Kindergärten, ein Grenzwert
von 500 Bq/m³ (Jahresmittelwert). Es handelt sich dabei um eine Eingreifschwelle;
wird dieser Wert überschritten, sind Sanierungsmaßnahmen verpflichtend vorgeschrieben.
Für den privaten Wohnbereich gibt es vorerst nur einen Richtwert und zwar
eine Eingreifschwelle von 400 Bq/m³ bei bestehenden Bauten und von 200 Bq/m³
bei Neubauten (EU-Empfehlung 90/143/Euratom vom 21/02/90).
Die Landesumweltagentur hat bisher ca. 3000 Gebäude im ganzen Land untersucht
und eine Radonkarte von Südtirol erstellt (siehe im Internet). Man kann
davon ausgehen, dass in ca. 9% der Häuser, im Erdgeschoss, der von der EU
empfohlene Richtwert von 400 Bq/m³ überschritten wird. In ca. 2% der Häuser
liegen die Messwerte sogar über 1000 Bq/m³. Im letzteren Fall ist man ca.
dem doppelten Lungenkrebsrisiko ausgesetzt, als bei niederen Radonkonzentrationen.
Die Radonkarte (Bild 3) zeigt die Risikogebiete, also jene Gemeinden in
denen eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, in den Häusern erhöhte Radonwerte
zu finden. Als solche gelten insbesondere Gebiete im oberen Vinschgau, im
Bereich von Franzensfeste, Lüsen und einige Gemeinden im Hochpustertal.
Die Radonkarte kann als eine erste Entscheidungshilfe betrachtet werden,
ob bei bestehenden Häusern Radonmessungen durchgeführt werden sollten, oder
ob vorbeugend bei Neubauten bestimmte bauliche Radon-Gegenmaßnahmen getroffen
werden sollten.

BILD 3) Die Radonkarte zeigt farblich abgestuft die Risikogebiete in Südtirol.
Besonders gefährdet sind die rot eingezeichneten Gemeinden, aber auch in
benachbarten Gebieten können erhöhte Radonwerte auftreten.

BILD 4) zeigt die vom Labor angebotenen Radonmessungsarten: Oben, die stromlose
Messung mit einem passiven Dosimeter. Dieses wird mit der Post zugeschickt
und im zu messenden Raum exponiert. Die Messung dauert einige Monate. Anschließend
wird das Dosimeter zur Auswertung ins Labor zurückgeschickt. Unten, die
aktive Messung mit einem strombetriebenen Gerät. Die Messung dauert nur
einige Tage.
Die Landesumweltagentur hat hier wegweisend Vorarbeit geleistet. Südtirol
ist bisher das einzige Gebiet in Italien, wo bereits bei öffentlichen Gebäuden
systematisch und auf Anfrage auch bei Privaten, Radonvorsorge bzw. Radonsanierungen
durchgeführt werden bzw. praktische Erfahrungen und Informationen weitergegeben
werden können (siehe im Internet).
Dieses Angebot sollte unbedingt genützt werden, denn immer wieder kommt
es vor, dass in sog. Risikogebieten Altbausanierungen durchgeführt werden,
ohne dass vorher Radonmessungen durchgeführt und bei Bedarf entsprechende
Radongegenmaßnahmen miteingeplant werden. Das selbe gilt für Neubauten,
darunter auch Schulen. Eine nachträgliche Radonsanierung ist immer aufwendiger,
teurer und weniger wirksam als die gezielte Einplanung im Rahmen einer generellen
Sanierung.
Grundsätzlich ist jedes Haus ein Einzelfall. Selbst benachbarte Häuser gleicher
Bauart können völlig verschiedene Radonwerte aufweisen. Eine sichere Auskunft
erhält man nur durch eine Radonmessung (siehe dazu Bild 3).
Trotzdem, höher radonbelastete Häuser haben oft gemeinsame Merkmale, die
eine erste grobe Bewertung ermöglichen. Es folgen einige typische Beispiele,
wobei den ersten beiden Punkten eine besondere Bedeutung zukommt; den weiteren
hingegen, hauptsächlich wenn sich das Haus in einem Radongebiet befindet:
• Das Haus befindet sich in einem Radongebiet oder grenzt
an ein solches, siehe Radonkarte.
• Das Haus befindet sich in Hanglage (Murgang oder Schuttkegel),
auf einer Verwerfung oder einem zerklüfteten Untergrund. Beim Bau wurde
eine wenig durchlässige Deckschicht z.B. aus Lehm durchstoßen.
• Die Räume haben an mehreren Wänden und am Boden direkten
Erdkontakt und sind schlecht isoliert z.B. Stube mit Bretterboden, älterer
Plattenboden, es gibt eine Fußbodenheizung.
• Die Räume befinden sich über einem wenig belüfteten
Naturbodenkeller mit einer schlecht isolierten Decke (z.B. alte Holzdecke).
• Das Haus ist ein altes Gebäude mit ca. 1 m dicken Wänden
aus Lockergestein, die bis in die oberen Stockwerke reichen und nur
an der Oberfläche mit Mörtel verputzt sind.
• Für die Kellerwände mit Erdkontakt wurde nicht Beton
sondern Hohlziegel verwendet.
Beim Neubau oder Umbau sollte man unbedingt die Radonkarte
beachten. Befindet sich der Baugrund in einer Hanglagen sollte man in Südtirol
auf jeden Fall vorsichtig sein.
Es gibt eine ganze Reihe von Radongegenmaßnahmen, die entweder beim Neubau
eingeplant oder beim Altbau nachträglich eingebaut werden können. Eine Detailbeschreibung
würde den Rahmen des vorliegenden Berichtes sprengen und daher können hier
die verschiedenen Methoden nur angedeutet werden; genauere Informationen
findet man jedenfalls in der unten angeführten Broschüre im Internet.
In Radongebieten ist eine gute Isolation der Böden unerläßlich z.B. eine
durchgehende Betonfundamentplatte. Bei Streifenfundamenten sollten zusätzliche
Radongegenmaßnahmen, wie z.B. der Einbau eines belüfteten Zwischenbodens
oder einer belüfteten Schotterschicht mit Drainagerohren eingeplant werden.
Offen verbleibende Durchführungen zum Erdreich sind nach Möglichkeit zu
vermeiden. Durchführungen von Rohrleitungen (Abwasser, Heizöltank, Regentonne,
usw.) sind auf jeden Fall gut abzudichten. Sollte in den Räumen mit direktem
Bodenkontakt eine Fußbodenheizung geplant sein, muss der Unterboden durch
entsprechende Isolationsmaßnahmen unbedingt radondicht gestaltet werden.

Bild 5) zeigt einige Vorschläge für die wichtigsten Radonvorsorgemaßnahmen.
Oben: Die durchgehende Betonfundamentplatte, sie .gilt normalerweise als
der beste Radonschutz. Unten: Bei Streifenfundamenten, bleibt die Kontaktstelle
zu den Böden als Schwachstelle erhalten. Bei Einbau einer belüfteten Schotterschicht
kann Radongas über eine zum Dach geführte Rohrleitung entweichen, bevor
es ins Haus eindringt. Falls dies nicht ausreicht, kann man einen kleinen
Ventilator zuschalten.
Wurden hingegen in einem bestehenden Haus erhöhte Radonwerte gefunden, kann
auch hier geholfen werden. Es gibt mehrere Sanierungsmethoden (siehe im
Internet). Welche Methode jeweils geeignet ist, wird von Fall zu Fall vom
Fachmann entschieden. Die Erfolgsaussichten sind normalerweise gut. Vorsorgen
ist aber besser.
Auskünfte erhalten sie diesbezüglich entweder in der Radonbroschüre im
Internet unter der Adresse:
www.provinz.bz.it/umweltagentur/2908/radon/index_d.htm oder direkt
beim Labor für physikalische Chemie Tel. 0471/291324.
Dr. Luigi Minach - Landesumweltagentur
www.provinz.bz.it/umweltagentur