Trinkwasser gehört auf den Tisch nicht in die Toilette!
Trinkwasser ist nicht nur unser Lebensmittel Nr.1, sondern langfristig gesehen
ein unverzichtbares Überlebensmittel. Im Grunde sollte man deshalb
an das Lebensmittel Trinkwasser die gleichen moralischen Anforderungen stellen,
wie an unsere anderen Lebensmittel auch. Das heisst, Trinkwasser nicht sinnlos
benutzen oder vergeuden.
Es ist nur eine endliche Menge sauberes Grundwasser vorhanden, mit dem wir
sparsam umgehen müssen. Während sich der Verbrauch an Trinkwasser
in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöhte, haben sich die natürlichen
Trinkwasservorräte nicht vermehrt. Während in Südtirol die
Knappheit noch nicht bemerkbar ist, sinkt in Hessen (D) bereits der Grundwasserspiegel
und versiegen Brunnen und Quellen.
Unser Trinkwasserverbrauch bedroht das Gleichgewicht des Wasserhaushalts.
Moral hin, Wasserhaushalt her - leider ist Trinkwasser für den Endverbraucher
immer noch das weitaus preiswerteste Lebensmittel. Mit Brot putzen wir unsere
Schuhe nicht, mit großen Mengen Trinkwasser spülen wir aber unsere
kleinen und größeren Geschäfte in die Kanalisation! Ein
Druck auf Knopf oder Taste, ein Zug an der Kette, und jedesmal rauschen
zehn Liter Trinkwasser und mehr durch das WC. Rund ein Drittel unseres Trinkwasserverbrauchs,
und das sind 40-50 Liter pro Tag, verwenden wir für die Toilettenspülung!
Abgesehen vom Einbau moderner WC-Becken, die mit wesentlich geringeren Spül-mengen
auskommen, sollte man versuchen, den Trinkwasserverbrauch für diesen
"niederen" Zweck völlig zu vermeiden. Zum Fortspülen
genügt Wasser mit minderer Qualität, zum Beispiel Regenwasser,
ohne dass dadurch hygienischen oder technischen Probleme auftauchen.
Anlagen zur Regenwassernutzung
Eine Standard-Anlage zur Regenwassernutzung besteht aus:
• Auffangfläche (Dach)
• Zuleitung zum Regenwasser-Speicher mit einem Filter
• Regenwasser-Speicher aus Beton, Metall oder Kunststoff
• Speicherüberlauf und Nachfüllventil mit Schwimmerschalter
• Pumpenanlage mit Druckbehälter (Hauswasser-Station)
• Leitungsnetz zu den Entnahmestellen

Auch wenn eine Regenwasser-Anlage auf den ersten Blick einfach aussieht,
sollte sie immer durch ein kompetentes Handwerksunternehmen installiert
werden.
Beschaffenheit der Auffangflächen
Zum Auffangen von Regenwasser sollten bei Wohngebäuden ausschließlich
die Dachflächen genutzt werden. Eindeckungen aus Ton- und Betonziegeln,
Schiefer, Kunststoffen, Metallen oder

Bitumenplatten sind von ihrer Beschaffenheit her grund-sätzlich für
eine Ableitung geeignet. Betonziegel neigen allerdings zu einer oberflächigen
Verwitterung, wodurch Staubablagerungen und ein Bewuchs mit Flechten oder
Moosen auftreten kann. Je glatter die Materialien sind, desto weniger ist
mit derartigen Problemen zu rechnen. Soll das Regenwasser auch für
die Waschmaschine genutzt werden, ist ein Bitumendach ungeeignet. Gleiches
gilt für flach geneigte Dächer, da hier mit einem erhöhten
Anteil an Verunreinigungen zu rechnen ist.
Vor dem Zulauf in den Speicher muss das Regenwasser gereinigt werden. Für
kleinere Dachflächen erfolgt dies durch den Einbau eines entsprechenden
Filters im Fallrohr. Für größere Anlage oder zur Zusammenfassung
mehrerer Fallrohre, wird der Filter in der Regel unterirdisch eingebaut.
Der Regenwasser-Speicher
Berechnungsgrundlagen für die Berechnung der Speichergröße
sind die Niederschlagshöhen in der jeweiligen Region, der Regenwasserertrag
und der Regenwasserbedarf. Die Niederschlagshöhen (Mittelwerte 1945/95)
betrugen für eine Auswahl von südtiroler Gemeinden:
| Brennerbad |
0,944 m |
| Brixen |
0,671 m |
| Bozen |
0,720 m |
| Meran |
0,711 m |
| Naturns |
0,528 m |
| Sexten |
0,815 m |
| Welschnofen |
0,792 m |
Wie auch bei der Dimensionierung von Solar-Anlagen gilt hier: So groß
wie nötig, so klein wie möglich. Erforderlich ist ein stetiger
Umsatz des gesammelten Regenwassers, um das Absinken von Schwebstoffen und
ein Algenwachstum im Wasser zu vermeiden. Eine Überdimensionierung
erhöht unnötig die Investitionen und kann zu häufigen Störungen
in der Regenwasser-Anlage führen.
Regenwasser-Speicher können fast überall aufgestellt werden. Für
größere Anlagen oder bei Neubauten werden die Wasserspeicher
oft unterirdisch eingebaut. Steht das Haus bereits, werden für die
Aufstellung eines Speichers in der Regel der Keller oder die Garage genutzt.
Insbesondere hier bietet die Industrie kostengünstige Kompakt-anlagen
an, bei denen ein großer Teil der Anlagenteile bereits vormotiert
sind.
Die Rohrleitungsinstallation
Nach den bisherigen Erfahrungen arbeiten Regenwasser-Anlagen über Jahre
hinweg zuverlässig. Voraussetzung ist eine einwandfreie Installation
der Anlage und eine regelmäßige Wartung. Was die Leitungsmaterialien
betrifft, so sind aus Gründen des Korrosionsschutzes Kunststoffe zu
bevorzugen (Polyethylen, PE). Eine unmittelbare Verbindung mit dem Trinkwassernetz
ist nicht zulässig und muss durch geeignete Maßnahmen verhindert
werden. Damit dies auch nach Jahren bei Arbeiten an der Wasserversorgung
nicht geschehen kann, sollten für das Trink- und Regenwasser-netz grundsätzlich
zwei verschiedene Rohrmaterialien verwendet werden.
Planung
Voraussetzung für einen dauerhaften und störungsfreien Betrieb
einer Regenwasser-Anlage ist die korrekte Anpassung an den Bedarf. Wichtig
sind dabei die mittleren Niederschlagshöhen in den jeweiligen Regionen,
die in Südtirol zwischen ca. 500 mm und 1.000 mm/Jahr liegen.
Die Durchmesser der Rohrleitungen müssen unter Berücksichtigung
der geltenden Regeln ermittelt werden. Die Länge der Rohrleitungen
und damit der Druckverlust bestimmen die Auswahl des HausWasserwerkes.
Für eine grobe Größenbestimmung des Regenwasser-Speichers
kann man vor einer Detailplanung folgende Faustformel anwenden: Regenauffangfläche
mal 20-30 Liter = Speichergröße. Für eine Dachfläche
von 120 m² ergibt dies eine Speichergröße zwischen 2.400
und 3.600 Liter.
Uwe Ringleb
Ökozentrum Neustift