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Solaranlagen

Solaranlagen zur Warmwasserbereitung, die kennt heute fast jeder. Mit seinen Selbstbaukursen war das Ökozentrum Neustift in Südtirol einer der Wegbereiter für diese Technik. Inzwischen sind über 3.650 Solaranlagen mit mehr als 36.400 m² in Südtirol installiert und das ist pro Einwohner fünf mal mehr als der EU-Durchschnitt.. Trotzdem liegt der solare Beitrag am gesamten Endenergiebedarf bei nur 0,7%, was bedeutet, dass auch in Zukunft alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um die Nutzung der Solarenergie auszubauen. Die Förderung durch die Landesregierung ist hier eine große Hilfe.
Inzwischen sind die Bauteile der üblichen Solarsysteme zur Warmwasserbereitung technisch ausgereift und selten Ursache einer Störung. Mögliche Mängel, die oft nicht von den Nutzern bemerkt werden und erst nach Jahren zur Funktionsstörung führen können, liegen häufig bei einer fehlerhafte Anbindung der Solaranlage an das konventionelle System und bei der ebenfalls häufigen Überdimensionierung von Kollektorfläche und Solarspeicher.
Leider zeigt auch die Erfahrung, dass Hersteller und Planer immer wieder der Versuchung erliegen, möglichst viele Betriebsvarianten abzudecken, um somit auch noch die "letzte Kilowattstunde" aus dem System herauszuholen. Das Resultat sind dann kompliziert aufgebaute Anlagen mit schlechten Aufwand-Nutzen-Verhältnissen.
Wird eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung installiert, muss der Bauherr oder die Bauherrin erst einmal die fachpraktische Kompetenz des beauftragten Unternehmen unterstellen. Durch die Beachtung folgender Planungsparameter und deren Diskussion mit dem Techniker kann aber die Planungsqualität verbessert werden. Eine große Hilfe ist dabei immer die Unterstützung durch einen unabhängigen Energieberater.

Solaranlage
Grundschema einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung

Strahlungsangebot
Um zu einer sinnvollen Auslegung für das Strahlungsangebot zu kommen, muss entschieden werden, in welchen Perioden bzw. unter welchen Bedingungen die Solaranlage in der Lage sein soll, den Energiebedarf zu decken. Die folgende Grafik zeigt zum Beispiel auch, dass die Unterstützung der Raumheizung durch eine Solar-Anlage bei einem NiedrigEnergieHaus deutlich größer und damit wirtschaftlicher ist, als bei einem konventionellen Neubau mit Mindestwärmeschutz.
Da der Energiebedarf für Warmwasser während des gesamten Jahres etwa konstant ist, wurden viele Solaranlagen für die über das gesamte Jahr gemittelte Tagessumme der solaren Einstrahlung ausgelegt. Dies hat zur Folge, dass in den Sommerperioden mit hohem Strahlungsangebot die von der Solaranlage lieferbare Energiemenge den wahren Bedarf bei weitem übersteigt. Resultate: Die Überschussenergie, die mit einem zu gross ausgelegten Kollektorfeld "erkauft" wird, kann nicht genutzt werden. Hohe Stillstandstemperaturen belasten das Material (Kollektor, Schläuche, Rohrleitungen, usw.) der Solaranlage unnötig und führen zu einem schnelleren Verschleiß.
Erfahrung renommierter Solarinstitute belegen, dass es zweckmäßiger ist, eine Anlage zur Warmwasserbereitung im Normalfall auf das hohe Strahlungsangebot während der Schönwetterperioden im Sommer auszulegen. Damit reduziert sich die zu installierende Kollektorfläche, die Anlage wird billiger, der Wirkungsgrad steigt und die thermische Belastung durch Stillstand der Anlage sinkt.

Energiebedarf
Der häufigste Fehler, der bei vielen in der Vergangenheit installierten Solaranlagen gemacht wurde, besteht darin, dass vor der Planung keinerlei Verbrauchsmessungen durchgeführt wurden. Der Energiebedarf wurde vielmehr anhand von subjektiv geprägten Verbrauchsangaben oder Richtwerten aus den diversen Normen abgeschätzt. Beides Planungsgrundlagen, die nur in den seltensten Fällen den Energiebedarf richtig beschreiben und ebenfalls die Ursachen für überdimensionierte Solaranlagen sind.
Vor einer Bestimmung der Anlagengröße für ein bestehendes Gebäude sollte deshalb unbedingt der konkrete Ist-Warmwasserbedarf erfaßt werden. In der Regel ist dies einfach mit dem Einbau eines Wasserzählers im Kaltwasserzulauf zum bestehenden Warmwasserspeicher zu bewerkstelligen.

Anforderung an die Systemleistung
Wegen der schlechten Nutzungsgrade von alten Heizkesseln versucht man oft das Solarsystem so groß zu dimensionieren, dass der Kessel im Sommer völlig ausgeschaltet bleiben kann und die Solaranlage einen 100%igen Deckungsbeitrag liefert. Die Folge ist wieder eine Überdimensionierung, deren negative Folgen bereits beschrieben wurden. Sinnvoller in solchen Fällen ist es, die vorhandenen Geldmittel zuerst für die Sanierung des veralteten Kessels einzusetzen, bevor eine Solaranlage installiert wird. Die Effizienz moderner Kessel (siehe Brennwertkessel) hat sich inzwischen deutlich erhöht und eine eventuelle Nachheizung des Brauchwarmwassers in den Sommermonaten ist heute ohne weiteres ökonomisch und ökologisch vertretbar.

Fazit
Vor der Planung den Warmwasserverbrach messen oder die Richtwerte defensiv anwenden. Effiziente Solaranlagen sind eher "knapp" ausgelegt, wobei der Zubau weiterer Kollektorfläche vorgesehen werden kann. Die Hydrauliker und Planer sollten in jedem Fall angehalten werden, den Nutzen einer großzügigen Auslegung erstens zu belegen und zweitens auch zu garantieren. Gute Solaranlagen sind einfach aufgebaut und mit geringer Zusatzenergie und Regelaufwand zu betreiben. Knapp ausgelegte Solaranlagen haben einen niedrigeren Preis, einen hohen Wirkungsgrad und garantieren eine ausreichende Deckung des Jahresenergiebedarfs für die Warmwasserbereitung. Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbreitung der Solartechnik, für eine spürbare Entlastung unserer Umwelt und sinnvolle Verwendung der Fördergelder.

Uwe Ringleb
Energie- und Bauexperte
Ökozentrum Kloster Neustift