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Umwelt - und Landschaftsschutz im Straßenbau des Landes Südtirol

Landesrat Mussner In Südtirol wird zur Zeit ein umfangreiches Straßenbauprogramm verwirklicht. Dabei ist das Assessorat für Bauten in Zusammenarbeit mit dem UVP-Amt darauf bedacht, die Straßen so umwelt- und landschaftsschonend wie möglich zu bauen und zu erhalten.

Wir haben mit dem Landesrat für Bauten Dr. Florian Mussner zu diesem Thema folgendes Gespräch geführt:


1) Herr Landesrat, es hat von Seiten der Umweltschutzverbände viel Kritik gegen das Projekt "Pustertaler Straße" gegeben. Man wirft dem Land vor, dass man die Straße zu einer Schnellstraße oder Transitstraße ausbauen will.
Das stimmt nicht. Die Charakteristiken der geplanten Straße sind nicht die einer Schnellstraße, dies gilt für die Breite, die Radien und die Kreuzungen. Mit Ausnahme der Gadertaler Kreuzung sind z.B. nur niveaugleiche Kreuzungen geplant.

2) Ist dieser umfangreiche Ausbau der "Pustertaler Straße" wirklich notwendig? Das gesamte Projekt wird immerhin 130 Mio. Euro kosten?
Dieser Aufwand bedeutete eine Investition für mehr Lebensqualität der Bewohner des Pustertals, die sich durch die geplanten Umfahrungen und besser ausgebauten Straßen entscheidend verbessern wird.

3) Herr Landesrat, wie trägt das Ressort für Bauten beim Straßenbau konkret zum Umwelt -und Landschaftsschutz bei? Wie setzen Sie diesen Grundgedanken beim Bau der Pustertaler Straße um?
Der Landschaftsschutz ist uns ein großes Anliegen. Beim Ausbau der Pustertaler Straße war es für die Landesverwaltung von größter Wichtigkeit, dass das Projekt alle umwelttechnischen Voraussetzungen erfüllt und gut in das Landschaftsbild integriert wird. Das Projekt hat die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bestens bestanden.

4) Die Landesregierung ist dabei, neue Straßenbaurichtlinien zu erlassen. Was sehen diese im Bereich des Umwelt- und Landschaftsschutzes vor?
Bei der Ausarbeitung der neuen Straßenbaunormen haben wir vor allem den Besonderheiten Südtirols als Alpenland mit schwierigen geologischen Verhältnissen, großen Höhenunterschieden, begrenzter Raumverfügbarkeit, vielen Wasserläufen und starken Temperaturschwankungen Rechnung getragen, uns aber auch an die europäischen Vorgaben gehalten.

5) Es fällt auf, dass die Straßeninstandhaltung manchmal ziemlich radikal und unsensibel mit den Grünflächen, Straßenböschungen und Rändern vorgeht, das Grün wird oft radikal ausgerottet. Was sagen Sie dazu?
Ich glaube nicht, dass der Straßendienst diesbezüglich übertreibt. Wir kommen nicht umhin, die Straßenränder vom Baum- und Strauchbestand soweit freizuhalten, dass diese keine Gefahr für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer darstellen. Wir bemühen uns aber, das Grün entlang der Straßen so gut wie möglich zu erhalten und auch entsprechend zu pflegen. Nicht umsonst lernen unsere Straßenwärter in speziellen Kursen, bei der Pflege von Grünflächen- und Böschungen entsprechend professionell vorzugehen.

6) Was tut das Land für die Verkehrsberuhigung im Ortsbereich?
In erster Linie ist es unser Bestreben, Straßen mit starkem Verkehrsaufkommen, die durch große Siedlungen führen, aus diesen hinauszuverlegen. Zu diesem Zweck haben wir schon einige Umfahrungsstraßen gebaut, wie etwa die Umfahrungen von St. Jakob/Leifers, Naturns, Welsberg und Niederdorf. Verschiedene sind noch in Planung oder im Bau wie jene von Brixen, Auer und Leifers/Steinmannwald. Wo es notwendig oder möglich ist, versuchen wir die Umfahrungsstraßen unterirdisch zu planen oder zu überdachen, um der Landschaft ihre Schönheit zu bewahren.

7) Es gibt Bestrebungen die Straßenbeläge zu verbessern.
Die Straßenbeläge wurden in den letzten Jahren stetig verbessert. Flüsterasphalt und wasserabweisende Beläge gehören heute zu unserem Standard. Ein neuer, schadstoffschluckender Straßenbelag ist noch in der Testphase.

8) Lärmschutz an Landesstraßen? Was tut das Land zu Verbesserung der oft prekären Situation?
Kein Mensch will und soll störenden und gesundheitsgefährdenden Lärm ertragen müssen. Wir haben in der Vergangenheit verschiedene Materialien zur Lärmreduzierung getestet. Lärmschutzwände und Lärmschutzverbauungen aus primär umweltschonenden Materialien gehören zu einem fixen Bestandteil in unserem Straßenbauprogramm, das in Zukunft verstärkt in Angriff genommen werden muss.

9) Sie wollten zum Schutz der Landschaft, um den Verkehr auf den Passstraßen zu reduzieren, eine Passmaut einführen. Jetzt hört man davon nichts mehr. Ist dieses Thema vom Tisch?
Bevor wir die Passmaut einführen, müssen zuerst, dies ist nicht nur der Wunsch der betroffenen Gemeinden, sondern das ist auch unser Anliegen, die Passstraßen besser ausgebaut werden. Sie müssen sicherer werden und der Fahrkomfort ist zu verbessern. Aber die Straßen müssen daneben auch architektonisch und landschaftlich aufgewertet werden. Zu den notwendigen Maßnahmen gehören Aussichtspunkte, Rastorte, landschaftsverträgliche Parkplätze entlang der Strecke im Sinne eines idealen Panoramaerlebnisses.
Dann muss der öffentliche Verkehr auf den Pässen aufgewertet werden, sodass jeder die Möglichkeit hat, vom Auto auf den Bus umzusteigen. Erst danach werden wir an die Einführung der Maut denken. Dann kann und wird die Maut wichtig werden, um den Individualverkehr einzuschränken. Die Mauteinnahmen sollen für die oft aufwendigen Instandhaltungsarbeiten der Passstraßen und die Aufwertung der Landschaft an den Passstraßen verwendet werden.