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Tiefbau und Umweltschutz

In enger Zusammenarbeit mit der Landesagentur für Umwelt werden vom Assessorat für Bauten mehrere Umweltprojekte realisiert. Zwei davon sind die neue thermische Restmüllverwertungsanlage in Bozen und die Sanierung des Müllhügels Bozen Süd.

Die neue Thermische Restmüllverwertungsanlage

Derzeit wird der Müll der Gemeinde Bozen, der Gemeinden des Unterlandes, der Gemeinden vom Überetsch und des Burggrafenamtes in der Müllverbrennungsanlage von Bozen entsorgt. Mit der daraus gewonnenen Wärmeenergie wird elektrischer Strom erzeugt, die Restwärme ins Fernwärmenetz der Stadt Bozen eingespeist. Diese Anlage ist nun bereits 19 bzw. 15 Jahre im Betrieb und muss daher unbedingt erneuert werden. Außerdem sieht das neue Abfallwirtschaftskonzept vor, dass der gesamte Restmüll aller Südtiroler Gemeinden in einer einzigen Anlage in Bozen thermisch behandelt werden soll, da laut Staatsgesetz kein Müll mit organischen Anteilen mehr in Deponien entsorgt werden darf.

Die neue thermische Restmüllverwertungsanlage

Im Sommer 2004 wurde über einen internationalen Wettbewerb aus 17 Bewerbungen die Planungsgruppe ausgewählt, die nun die Projektierung der neuen Anlage in Bozen ausgeführt hat. Neben mehreren einheimischen Technikern zeichnet auch ein Schweizer Planungsbüro für die Güte des Projektes. Nach dem positiven Gutachten des Beirates für Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und des technischen Landesbeirates konnte der Bau der Anlage im Oktober 2006 auf europäischer Ebene ausgeschrieben werden. Im Sommer 2007 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, damit die neue Anlage rechtzeitig im Jahre 2010 fertig gestellt sein wird und die alte ersetzen kann.
Die neue thermische Restmüllverwertungsanlage wird neben der bestehenden Müllverbrennungsanlage in Bozen Süd errichtet, so dass ein reibungsloser Übergang von der alten zur neuen Anlage gewährleistet werden kann. Dazu muss vorher das gesamte Gelände saniert werden, da in den 50er Jahren das gesamte Gebiet längs des Eisacks als bequeme Industrieschlackendeponie genutzt wurde. Erst nach der Sanierung des Baugrundes kann mit dem effektiven Bau der Anlage begonnen werden.
Der Gebäudekomplex besteht im Wesentlichen aus zwei größeren Volumina: Das Gebäude für den Wärmekreislauf mit der Dampfturbine und dem Elektrogenerator und angeschlossenem Verwaltungstrakt und das Gebäude, in welchem sich die Müllanlieferung, der Verbrennungsofen, die Rauchgasreinigung und der Kamin befindet. Die Architektur ist der „Skyline“ Bozens angepasst und farblich mit der Umgebung abgestimmt.
Im verfahrenstechnischen Teil wird dem Verbrennungsprozess und der Dampfproduktion besondere Aufmerksamkeit zuteil, damit ein optimaler Ausbrand des Restmülls gewährleistet wird und somit nur mehr 20% des Eingangsvolumens als Schlacke in Deponien endgelagert werden muss. Außerdem wird durch dieses Verfahren eine maximale Energieausbeute erreicht.
Ein ganz besonderes Augenmerk gilt aber auch der Rauchgasreinigung. Ziel ist es, trotz größerer behandelter Müllmengen, noch geringeren Schadstoffausstoß wie bisher zu erreichen. Über verschiedenen Wäscher- und Filtersysteme und einem abschließenden Katalysator wird das gereinigte Rauchgas über den 60 m hohen Kamin in die Atmosphäre geblasen. Die garantierten Emissionswerte liegen weit unter den gesetzlich zugelassenen Höchstwerten.
Die Anlage ist für die Verwertung von 130.000 t Restmüll im Jahr ausgelegt. Mit der dadurch gewonnenen Wärmeenergie können z.B. 5.500 Haushalte mit Wärme und Warmwasser versorgt werden. Die Dampfturbinen können elektrischen Strom erzeugt, der 3000 Haushalte versorgen könnte.
Die Kosten der Anlage belaufen sich auf rund 98,4 Millionen €.

Der Müllhügel „Bozen Süd“

Der Müllhügel „Bozen Süd“ vor dem Beginn der Sanierung 2005

Die Altlast Müllhügel „Bozen Süd befindet sich in der Handelszone Bozen-Süd auf der orografisch linken Seite des Eisack. Der Müllhügel „Bozen Süd“ wurde im Jahre 1950 als Sondermülldeponie für Bauschutt und Aushubmaterialien errichtet, ohne dabei die in der heutiger Zeit erforderlichen und gesetzlich vorgeschriebenen technischen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu ergreifen (Basisabdichtung, Sickerwasserfassung usw.). In den folgenden Jahrzehnten wurden Inertmaterialien, Schlacken aus der Bozner Industriezone und andere Sonderabfälle abgelagert. Die letzten Ablagerungen wurden in den Jahren 1989/90 in Form von Aushubmaterial aus dem Bau des Kompostwerkes getätigt. Die vom Abfallberg besetzte Fläche beträgt ca. 1,5 ha. Das abgelagerte Gesamtvolumen beläuft sich auf ca. 300.000 m³.

Das Sanierungsprojekt sieht das vollständige Abtragen des Müllhügels vor. Dabei wird das Material je nach Verschmutzungsgrad sortiert und entsorgt.
Das am geringsten verschmutzte Material wird auf die Ex-Deponie Sigmundskron transportiert und dort in eigens dafür errichtete Becken eingebaut. Diese Becken sind nach heutigem Stand der Technik und den gesetzlichen Vorschriften abgedichtet, sodass durch die Einlagerung keine Gefahr für die umliegenden Gebiete entstehen kann.
Das mittelmäßig verschmutzte Material wird in einer Anlage gesiebt. Dadurch wird der stärker verschmutzte feinkörnige Teil vom schwächer verschmutzten grobkörnigen Teil (z.B. Steine) getrennt. Der schwächer verschmutzte Teil kann nach einer Kontrollanalyse auf die Ex-Deponie Sigmundskron gebracht werden, während der stärker verschmutzte Teil in Deponien außerhalb der Provinz entsorgt werden muss.
Das am stärksten verschmutzte Material wird direkt in Deponien außerhalb der Provinz transportiert und dort fachgerecht entsorgt.

Sanierungsarbeiten im Dezember 2006

Der gesamte Abbau des Müllhügels unterliegt strengen Sicherheitsvorschriften. Das stark verschmutzte Material wird nur unter Zelt abgebaut oder zwischengelagert. Im Zelt herrscht ein ständiger Unterdruck, außerdem wird die Abluft gefiltert, bevor sie der Umgebung rückgeführt wird. Durch dieses Verfahren wird eine Gefährdung der näheren Umgebung durch verschmutzte Staubwolken vermieden. Zusätzlich gibt es vier Luftmessstationen, welche in und um der Baustelle die Luftsituation ununterbrochen kontrollieren. Durch regelmäßige Analysen des Grundwassers wird sichergestellt, dass das Grundwasser durch die Sanierungsarbeiten keine Verunreinigung erfährt.
Wichtig ist, dass die Arbeiter auf der Baustelle mit geeigneten Schutzausrüstungen vor einer gesundheitlichen Gefährdung geschützt werden.

Die Sanierungsarbeiten wurden im März 2006 begonnen und sollen bis Ende 2007 abgeschlossen werden. Die Kosten für die Sanierungsarbeiten belaufen sich auf ca. 11 Mio. Euro. Das Gelände das nach der Sanierung zur Verfügung steht, wird an die Bietergemeinschaft, die die Arbeiten durchführt veräußert. Dafür erhält die Landesverwaltung ca. 9,6 Mio. Euro.


Landesrat Florian Mussner

Ein Interview mit
Herrn Landesrat Dr. Florian Mussner


Gegen den Bau der neuen thermischen Müllverwertungsanlage gibt es viele kritische Stimmen. Warum halten sie trotzdem an diesem Projekt fest?
Diese Behauptung, dass viele dagegen sind, stimmt so nicht. Als die Polemik um den Bau der neuen thermischen Müllverwertungsanlage entbrannte, haben wir eine Vorstellung des Projektes mit einer anschließenden Podiumsdiskussion in der Aula Magna der Universität Bozen organisiert. An dieser Veranstaltung haben rund 70 – 80 Personen teilgenommen, davon waren nur wenige, die sich gegen die neue Anlage ausgesprochen haben.
Die thermische Verwertung der Restabfälle ist im System der Abfallbeseitigung unverzichtbar. Es gibt kein anderes System, welches diese Technik ersetzen könnte. Außerdem besteht eine europäische Richtlinie, welche vom Staat und vom Land mit eigenem Gesetz übernommen wurde. Laut dieser darf der organische Anteil auf Deponien nicht größer als 5% sein, was wiederum heißt, dass der gesamte Restmüll thermisch behandelt werden muss.

Ist das wirklich die beste Art der Müllentsorgung. Wie können sie das belegen?
Wie bereits erwähnt, ist die thermische Verwertung aus der Abfallbeseitigung nicht mehr wegzudenken und dies aus verschiedenen Gründen. Aus dem Restmüll wird z.B. Wärmeenergie gewonnen, die zum großen Teil in Elektrostrom umgewandelt wird. Der Rest der Wärme wird ins Fernheizwerk von Bozen eingespeist. Dadurch wird die im Müll vorhandene Energie sinnvoll genutzt. Durch den Verkauf dieser Energie können die Entsorgungskosten niedrig gehalten werden.
Außerdem wird das Volumen des schlussendlich zu deponierenden Mülls um 80% reduziert. Dies ist auch deshalb besonders wichtig, weil wir in Südtirol nicht genug Deponievolumen haben.

Es gibt dort eine Menge Abgase, die die Umwelt verschmutzen. Wie steht es damit?
Diese Aussage stimmt so nicht. Wie bei jedem Verbrennungsprozess entstehen auch hier Rauchgase, nur werden diese Rauchgase durch ein technisch sehr gut ausgeklügeltes Filtersystem gereinigt, so dass am Kamin fast nur mehr Wasserdampf in die Atmosphäre entweicht. Die Grenzwerte für die Rauchgasreinigung sind derart streng gesetzt, dass auch die Emissionswerte der heutigen Anlage weit unterboten werden. Die Umwelt wird durch die neue Anlage also enlastet!

Die neue Müllverwertungsanlage wird im Süden der Stadt Bozen errichtet. Die Bevölkerung der Stadt hat Angst, dass durch den täglich wehenden Südwind die Abgase in der ganzen Stadt verteilt werden.
Wie schon angesprochen, gibt es keine schädlichen Abgase, vor denen die Bevölkerung Angst haben müsste. Die am Kamin austretenden Gase werden rund um die Uhr überwacht und der Verbrennungsprozess dadurch derart gesteuert, dass keine schädlichen Überschreitungen der Grenzwerte möglich sind. Zudem haben Modellberechnungen bewiesen, dass die Wohnviertel der Stadt von eventuellen Ablagerungen der Rauchgase in keinster Weise betroffen sind.

Die neue thermische Müllverwertungsanlage entsteht neben der Autobahn im Süden der Stadt. Für Gäste, die aus dem Süden kommen, ist diese Anlage somit das Erste, was sie von Bozen sehen. Was sagen sie dazu?
Gerade weil die Anlage dort gebaut wird, wurde auf die Architektur ein besonderes Augenmerk gerichtet. Durch die Abstufung der verschiedenen Gebäude und die farbliche Gestaltung der Außenfassaden kann der Komplex gut in die Umgebung integriert werden. Die neue Anlage wird optisch nicht mehr so dominant sein wie die bereits Bestehende. Die neue Anlage wird sicherlich nicht mehr so auffallen.

Ist die Landesregierung jetzt also entschlossen, den Bau des neuen Ofens durchzuführen und bis wann?
Ja, die Landesregierung ist fest überzeugt, dass dies der richtige Weg ist und hat den Bau bereits ausgeschrieben. Im Sommer dieses Jahres werden die Arbeiten vergeben werden. Der Bau soll voraussichtlich Ende 2009 abgeschlossen sein und im Jahre 2010 wird der neue Ofen in Betrieb genommen werden.

Was geschieht mit dem Alten Ofen?
Sobald die neue Restmüllverwertungsanlage einen sicheren und einwandfreien Entsorgungsbetrieb garantieren kann, wird die bestehende Anlage abgebrochen. Dies ist jedoch Aufgabe der Gemeinde Bozen, da die Anlage Eigentum der Gemeinde ist.